Meine erste Schulwoche ist nun um. Eine Woche, an die ich mich erstmal gewöhnen musste. In dieser Woche habe ich besonders gemerkt, dass ich ein absoluter Tierfreund bin und ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass Tiere auch mich sehr lieben und zu schätzen wissen. Moskitos zum Beispiel. Oder die kleinen Ameisen, die ständig in meinem Bett herumkrabbeln. In solchen Momenten bin ich sehr glücklich, dass ich ein Mensch bin, den sowas nicht sonderlich stört.
Doch ich möchte zurück zur Schule kehren. Ich habe einen Schulalltag, der so anders ist, dass man denkt, man wäre auf einen anderen Planeten gelandet und nicht auf der anderen Seite der Welt. Ich habe jeden Tag von 7:30 bis 16:20 Schule, wobei ich auf meinen Gastbruder Ohm warten muss, der bis 18 Uhr entweder beim Training ist oder Extrakurse aufgrund Defizite belegen musste. Ich fahre im Dunkeln zur Schule, 1 bis 1:30 Stunden. Ich komme im Dunkeln wieder zurück, zwischen 19 und 20 Uhr. Dann noch Berge von Hausaufgaben.
Letztens hatte ich mich daran erinnert, wie ich mich in Deutschland beschwert habe, dass wir so gut wie keine Freizeit haben und immer lernen müssen. Wenn mich jetzt jemand fragt, wie die deutsche Schule ist, ist meine Antwort immer wieder 'In Deutschland haben wir unendlich viel Freizeit'. Sowas fällt einem leider immer erst auf, wenn man sie nicht mehr hat, und so ist es nun. Ich muss dazu sagen, dass ich meine Schule liebe. Ich gehe wirklich gerne zur Schule, ich habe super lustige Klassenkameraden, die die größten Rebellen überhaupt sind, immer glücklich und so hilfsbereit sind. Ich habe Lehrer, mit denen ich jeden Tag rede und die mich unterstützen und mich immer zum Lachen bringen. Ich habe hier ein schönes Leben. Nur eben keine Zeit für mich.
Manchmal ist das auch ganz gut so, denn dadurch hat man nicht so viel Zeit, um nachzudenken. Gerade in so einer Zeit nachzudenken, ist einfach tödlich für einen selbst. Jeder, der mich gut kennt, weiß, dass ich ein Mensch bin, der durchdreht, wenn er nicht mal alleine sein kann. Diese Zeit habe ich jetzt in die Autofahrt zur Schule gesteckt. Ich höre dann meine deutsche Musik, schaue mir den Bangkoker Verkehr an und das sind meine Stunden voller Ruhe. Es sei denn, ich hab Hausaufgaben auf den Gewissen.
Die Rückfahrt verbringe ich damit, mit Ohm zu reden, über alles mögliche. Er lernt selbst gerade ein bisschen Deutsch in der Schule und ich helfe ihm viel dabei. Er kann jetzt fließend 'Scheiße' sagen und ich bin sehr stolz auf meinen Schüler. Im Gegenzug bringt er mir eine Menge Thai bei. Ich könnte im Grunde genommen nun die ganze Schule auf Thai beleidigen. Ich liebe meinen Gastbruder vom ganzen Herzen. Er ist eunfach der Bruder, den ich in Deutschland nie hatte, den man mal bei Mädchenproblemen helfen kann und der unglaublich sarkastisch ist, was genau meinen Humor entspricht. Doch auch, wenn er das nie so richtig zeigt, er ist ein sehr tiefgründiger Mensch. Als wir am Freitag nach Hause fuhren, haben wir über unsere Religionen gesprochen und er hat mir erzählt, wie verwundert er war, dass ich keine Religion habe. Ich habe ihm erklärt, warum nicht und habe ihn genauer nach seinen Glauben gefragt. Als ich ihn fragte, ob er nun wirklich an Buddha und Karma und Inkarnation glaubte, sagte er:
'Ich glaube an Frieden.'
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