Dienstag, 16. August 2016

Trip nach Ayutthaya

Ausflug mit meinen Freunden

Am Sonntag holte mich gegen 6 Uhr morgens meine Schulfreundin KT ab, denn wir wollten mit der Klasse nach Ayutthaya fahren, der alten Königsstadt. Der Anlass dafür war ein Projekt im Fach Thai Geschichte, jedoch hielten meine Freunde es für eine gute Idee, mir mal ein bisschen mehr von Ayutthaya zu zeigen, denn kein Tourist kommt an Ayutthaya vorbei (auch wenn ich mich nicht wirklich als Tourist bezeichnen würde). Wir fuhren zur Schule, um dort meine anderen Klassenkameraden abzuholen und dann ging es auch schon los. Den ersten Stopp machten wir an einem Fastfood Restaurant, wo wir uns Waffeln mit Eis in einem Becher kauften. In dem Moment störte es uns auch relativ wenig, dass es gerade mal halb 8 war und alle anderen uns ein wenig verwundert anschauten. Wir stiegen wieder ins Auto und fuhren weiter. Die Stimmung war zu gut - wir hörten Musik und sangen laut mit, bis wir vor Lachen nicht mehr mitsingen konnten und ich kam sogar dazu, meinen Freunden ein paar deutsche Songs zu zeigen, die ihnen sogar gefiel.
Gegen 8:30 kamen wir an den Ruinen von Ayutthaya an. Es war eine unglaubliche Kulisse. Ich würde zu gerne versuchen, es zu beschreiben, aber das ist eines der Dinge, die ich noch so detailliert beschreiben könnte, es würde immernoch nicht das sagen, was wir wirklich gesehen haben. Es war so wunderschön und unglaublich beeindruckend. Wir machten viele Fotos, sowohl ich als auch die anderen, und fingen mit den Dreharbeiten an. Ich schaute mir jeden einzelnen Stein dieser Ruine an und war noch Stunden danach unendlich fasziniert.
Als wir fertig gedreht hatten, gingen wir in ein Restaurant, das direkt an einem großen Fluss lag. Wir aßen dort Seafood und Früchte und alle fanden es mal wieder ungeheuer lustig, dass ich von dem scharfen Essen ganz rot wurde und mich zusammenreißen musste, nicht zu husten. Wir redeten sehr viel und hatten sehr viel Spaß. Schon danach war ich unendlich müde, doch meine Freunde dachten sich - wenn wir schonmal hier sind, können wir ihr nich viel mehr zeigen! Somit fuhren wir zu dem Punkt in Ayutthaya, wo der Mittelpunkt von ganz Thailand ist. Dort wurden viele handgemachte Dinge verkauft und man konnte zuschauen, wie die Menschen sie herstellten. So schenkte mir eine Freundin von mir einen Hasen aus Glas, weil ich im Jahr des Hasen auch geboren wurde und ich dankte ihr unendlich sehr dafür. Zur selben Zeit fand an dem Ort eine Zeremonie statt, wo ein Junge zum Mönchen wurde. Er wurde auf den Schultern eines Mannes getragen und alle tanzten um ihn herum mit Blättern in der Hand und weißen Gewändern. Es war echt schön, sowas mal gesehen zu haben. 
Am selben Ort war auch eine Kunstgallerie, die wir besuchten. Vor allem gab es Gemälde der alten Könige und des heutigen Königs. Es war so schön anzusehen, wie meine Freunde sich vor das Gemälde des Königs stellten, sich verbeugten und ihre Hände falteten, um kurz für ihn zu beten. Ich denke, das wird etwas sein, was ich in Deutschland sehr vermissen werde. KT zeigte mir ein großes Modell von einem Floating Market, einen Markt, wo Verkäufer ihre Waren vom Boot aus auf dem Wasser verkauften. Sie fragte mich, ob ich soetwas schonmal gesehen hatte und ich antwortete ihr, ich hätte es noch nicht in der Form gesehen. Und ratet, wohin wir als nächstes gingen? Richtig! Der nächste Stopp war ein gigantischer Floating Market, wo sogar Elefanten herumstanden und Thai Shows aufgeführt wurden. Alleine, diesen Markt zu betreten, kostet Ausländern 200 Baht, umgerechnet ungefähr 5 Euro, was für Thais ziemlich viel war und alle regten sich ziemlich darüber auf, aber ich beruhigte sie und bezahlte mit den Worten, dass ich soetwas wahrscheinlich nie wieder sehen werde und es mir das Geld wert sei. Also gingen wir auf den Markt und sahen Unmengen an Essen, Süßigkeiten, Getränken und Klamotten. Es war einfach unglaublich, doch leider auch unglaublich voll und eir mussten aufpassen, nicht ins Wasser zu fallen. Sir kauften uns eine japanische Spezialität und aßen, bis wir nicht mehr konnten. Meine Freunde schenkten mir eine Süßigkeit, die es nur in Ayutthaya gab. Es ist so eine Art Zuckerwatte gewesen, nur dass es keine Watte war, sondern eher wie Haare aussah. Diese Zuckerhaare aß man mit Brot und glaubt mir, ich habe mir danach noch eine große Tüte für mich und meine Familie gekauft.
Gegen 18:30 setzte KT mich wieder Zuhause ab. Ich war um viele Fotos, Kilos, Erinnerungen und Erfahrungen reicher. Leider auch um einen Sonnenbrand, aber das war mir egal. Ich legte mich ins Bett und war so unendlich glücklich und verliebt in alles, was ich hier erleben darf, verliebt in Thailand und verliebt in mein Leben.
-Kim

    
    

Dienstag, 2. August 2016

Selbstgespräche im Kopf

Schüler, Tempel und Bangkok's Alltag

Ich weiß, dass meine Blogeinträge immer größere Abstände bekommen, doch der Alltag hat mich fest im Griff. Da ich nicht mehr nach jedem Ausflug davon sofort berichte und es in Zukunft auch nicht mehr tun werde, ist es manchmal schwierig, über ein bestimmtes Thema zu erzählen und ich denke, ich werde einfach mal drauf losreden.
Wie schon angedeutet, umspült der Alltag mich in Wellen. Immer besteht dabei eine gewisse Routine, die ich für much selbst beibehalten muss. Ich stehe auf, ziehe mich an, setze mich ins Auto, höre Musik. Ich steige aus, verabschiede mich von Ohm und gehe direkt in die Kantine. Sobald die Verkäuferin von meinem gewohnten Stand mich sieht, packt sie mir sogar schon das Essen ein, was ich sonst immer kaufe, es sei denn, ich sage ihr, dass ich diesmal etwas anderes möchte, was jedoch selten vorkommt. Dann gehe ich in den Klassenraum und warte. Wir singen die Nationalhymne. Wir haben Unterricht. Ich warte nach dem Unterricht auf Ohm. Meine Gastmama holt uns ab. Wir essen. Ich gehe schlafen - Ende des Tages. Nach 1 1/2 Monaten hat sich schon alles so eingespielt, als hätte ich nie irgendwas anderes gemacht und einerseits tut es gut, andererseits durstet es mir ein wenig nach Abwechslung, für die meine Familie oftmals am Wochenende sorgt. Wir besuchen oft die Verwandtschaft oder einen Tempel. Meine Familie versucht, mir so viel wie möglich von Bangkok zu zeigen, sei es Shopping Malls, Märkte, Tempel oder Gedenkstätten. Ich bin meiner Familie da unendlich dankbar für und genieße jeden Moment, den wir zusammen haben. Selbst die Rückfahrten sind immer unendlich lustig, obwohl wir alle komplett erledigt sind. Wir machen Scherze über Ohm (irgendwer muss ja das Opfer sein) und können drüber lachen, essen meist im Auto zusammen und sie bringen mir witzige Wörter auf Thai bei, wobei meine Gastmama für jedes Wort mit einem Grinsen im Gesicht 5 Baht verlangt. Heute war ich sehr müde und meine Gastmama hielt auf einmal an, stieg aus dem Auto und kam mit 4 Kokosnussschalen mit Kokoseis und Kokosfleisch drinnen zurück und wir genossen es und wetteten, wer von uns zuerst an Fettleibigkeit sterben würde. Ich liebe meine Familie abgöttisch und es hätte mich wirklich nicht besser treffen können. 
Deshalb bin ich mir manchmal nicht sicher, warum es Tage gibt, an denen ich aufwache und einfach im Bett liegen bleiben will. Liegt es an der Schule? Daran, dass ich ständig nichts verstehe und immer nochmal nachfragen muss, warum auf einmal alle lachen? An dem Wetter, das mich teilweise um den Verstand bringt, wenn wir bei 38 Grad Sport machen müssen? Um ehrlich zu sein, weiß ich einfach überhaupt nicht, warum ich nicht mehr schlafen kann zurzeit und warum ich mehr als gewollt an Zuhause denke und Vergleiche ziehe. Aber mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass der Kulturschock, vor welchem wir immer gewarnt wurden, bei dem uns unendlich viele Tipps gegeben wurden, vor dem wir vorbereitet wurden, nun such much endlich erreicht hat. Irgendwann musste es ja kommen.
Wir Austauschschüler sind alle mit riesigen Erwartungen nach Thailand gekommen und alle sind mir unendlich ans Herz gewachsen. So interessiert es mich auch sehr, wie es ihnen geht und ob sie teilweise die selben Probleme haben, wie ich. So redete ich mit einer super lieben Austauschschülerin aus der Schweiz über das Problem mit dem Stundenplan, welches ich bereits gelöst, sie jedoch auch nich hat. Mir tat dies so unendlich Leid, da ich ja ganz genau wusste, wie sie sich fühlt. Ich spüre, wie ich immer ein wenig nachdenklich werde, wenn jemand anderes mir erzählt, dass sie so tolle Fächer haben oder dies und das machen und schon gesehen haben. Jeder lebt hier anders. Doch ich sehe auch die Unterschiede. Manche haben es einfach schwerer und manchen wird es ein wenig einfacher gemacht. Und ich bin froh, dass wir immer alle füreinander da sind, weil wir genau das gleiche erleben, fühlen, sehen. Sie geben mir so viel Kraft und falls das einer von euch 12 sieht, ich bin froh, euch zu haben und freue mich, euch wiederzusehen!
Eine der Austauschschülerinnen hat einen Status, der mich unendlich berührt hat: 'Natürlich ist es hart, es war vorherbestimmt, hart zu sein. Wenn es einfach sein würde, würde es jeder machen. Doch die Härte ist es, was es so großartig macht.' - Genau das ist es. Genau das ist es, warum wir hierhergekommen sind. Jeder kann mal nach Thailand gehen und Urlaub machen und sagen, er habe das Land gesehen und kennt es. Doch niemand kann behaupten, es wirklich erlebt zu haben. Wirklich hier gelebt zu haben und es in allen Fassetten zu sehen, eine Familie, einen Alltag, eine andere Religion. Die Würde und Ehre der Menschen und die Art, wie sie denken, wovor sie Angst haben, was sie schätzen und wofür sie beten. Das ist es, was es so großartig macht, hier zu sein, auch wenn es hart ist. Mitten im Kulturschock führen Engel und Teufel Selbstgespräche in meinem Kopf und das ist das, was der Engel mir immer wieder versucht, zu erklären. Was wäre Thailand schon mit normalen Waschmaschinen und Schulschluss um 12? Ich kann jetzt schon sagen, was mir in Deutschland fehlen wird, was ich hier zu schätzen und lieben gelernt habe und versuche, es mit vollen Zügen zu genießen. 
Das ist der Grund, weshalb ich zurzeit nicht mehr so aktiv bin, weder auf dem Smartphone noch auf meinem Blog (den ich trotzdessen natürlich nicht vergesse und auch immer mal wieder updaten werde!). Ich habe mir selbst versprochen, zu versuchen, mehr loszulassen. Ich lebe nun hier für weitere 8 1/2 Monate und Deutschland ist noch in weiter Ferne. Um meine Englischlehrerin zu zitieren, mit der ich über all das rede: 'Du hast nur dieses eine Jahr. Wenn du mit etwas unzufrieden bist, ändere es, sonst wirst du nach Hause fahren und dir sagen, du hast deine Zeit verschwendet.' Ich bin jetzt mehr damit beschäftigt, mich mehr zu integrieren und mein Zimmer nur noch zum Schlafen zu benutzen. Egal, was noch kommt, was Thailand mir gegeben hat, kann ich nie mehr zurückgeben und dafür hat es mein Herz. Und ich werde als ein anderer Mensch zurückkehren, ein Mensch, der es nicht nur gesehen, sondern es gelebt hat. 
- Kim