Donnerstag, 7. Juli 2016

Die Erlösung

Das Drama um den Stundenplan

Es war ein Tag wie jeder andere. Ich ging zur Schule, setzte mich mit meinem Essen in die Klasse und wartete auf die anderen. Als wir alle zusammen waren, gingen wir hinunter um die National Hymne zu singen. Wir gingen hoch und einer meiner Klassenkameraden spielte Gitarre. Wir anderen lachten und laberten herum - doch dann betrat sie den Raum. 
Eine meiner Lehrerin kam in unseren Klassenraum und bat mich, mit ihr zu reden. Sie hatte einen Zettel in der Hand und ich wusste sofort, dass es um den Stundenplan geht und ich war so froh, dass sich endlich etwas ändern würde. Falsch gedacht. 'Wir können Fächer wie Mathe, Naturwissenschaften, Physik und Chemie nicht ändern, da du diese in Deutschland doch auch hast und sie für deine Schule brauchst.' Während sie all dies so erzählte, merkte ich, wie all meine Hoffnungen, alles, was ich mir so ausgemalt hatte, zerbrach. Habe ich mal erwähnt, dass ich extrem nah am Wasser gebaut bin, seit ich hier bin? Mittlerweile brauche ich nur etwas schönes lesen und es tropft mir aus den Augen. Ich fühlte, dass sich wieder etwas ansammelte, als mir meine Lehrerin all das erzählte. Wie zur Hölle soll ich im Thailand bleiben, wenn ich die Examen nicht bestehe? YFU schickt mich nach Hause. Wie soll ich ein Examen in Chemie bitte bestehen? 
Ich sagte kein Wort zu ihr. Ich nickte und sagte okay und setzte mich wieder hin. Mein Chemielehrer kam rein und wollte mit dem Unterricht anfangen, doch auf einmal waren meine Klassenkameraden weg. So saß ich alleine mit dem Teufel im Klassenraum und wir schwiegen uns an. 'Ich habe gehört, du bist nicht zufrieden mit Chemie? Das brauchst du aber für deine Schule in Deutschland.' hörte ich ihn sagen. Okay Kim, ganz ruhig bleiben. Fang jetzt bloß nicht an zu heulen. Schlag ihn jetzt nicht ins Gesicht. Beruhig dich. 'Ich weiß, dass es in England viel schwerer unterrichtet wird als hier.' Ignorier ihn einfach. Lächel einfach und nicke. Fang nicht an zu heulen.
Eine andere Lehrerin rettete mich aus dieser Situation und bat mich ins Lehrerzimmer. Da saß ich nun meinem Klassenlehrer und dieser Lehrerin gegenüber und zum ersten Mal fragte mich jemand, warum ich denn überhaupt wechseln möchte. Und da hielt ich es nicht mehr, da schoss es einfach heraus. Die Tränen liefen mir jur so übers Gesicht und das war mir unendlich peinlich. Doch ich erzählte alles - dass ich zurück nach Deutschland müsse, wenn ich hier ein Examen nicht bestehe, weil ich dann kein guter Representant meines Landes bin. Dass ich viele Fächer in Deutschland schon längst abgewählt habe. Dass ich nicht wegen der Schule nach Thailand gekommen bin, sondern um die Kultur zu erfahren und mir das am wichtigsten ist und ich dadurch die Klasse wiederhooen würde. Ich erzählte ihr all meine Gründe und da begann es endlich mal zu rattern. Auf einmal standen 5 Lehrer am Tisch und fingen an, zu diskutieren. Auf einmal sagte einer 'Wechseln wir zu Plan B' und dann kann ich mich nur noch an Tastaturen erinnern und fliegende Hände und Fragen, ob ich dies mag und ob ich das mag und und und. Das Resultat - ein perfekter Stundenplan, wie ich ihn mir von Anfang an gewünscht hatte. Mit Thai kochen, Thai tanzen, Thai boxen, Thai Kultur, Südost Asien und was nicht alles. Kein Mathe mehr, keine Naturwissenschaften mehr, kein Chemie und kein Physik. Ich hätte vor Freude wieder heulen können. Und außer mein Chemielehrer, bei dem ich mir selbst geschworen habe, dass ich ihn auf ewig hassen werde, weil er sich nich dreimal darüber beschwert hat, hatte niemand was dagegen. 
Ich habe diesen Plan nun seit einer Woche und das Leben ist leichter geworden. Ich habe nur noch wenig Hausaufgaben und kann mich mehr darauf konzentrieren, Thai zu lernen. Ich habe mehr Zeit für meine Familie. Und was mir besonders auffällt - der Druck, den ich hatte, alles gut und alles perfekt machen zu müssen, ist auch nicht mehr da. Jetzt kann ich Thailand genießen und das tue ich. Ich habe jetzt die Zeit, um mich fürs Schulsportteam anzumelden. Ich habe einen kleinen Tick mehr Freizeit und da bin ich unendlich stolz drauf. Manchmal hilft ein bisschen heulen eben doch mehr als tausend Worte, auch wenn ich mich immernoch dafür schäme. Doch das ist das Leben. Dir wird hier nichts geschenkt. Es liegt in deiner Hand, was du machst und ich habe hiermit die richtige Entscheidung getroffen.
- Kim

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