Montag, 25. Juli 2016

Die Maschinen, die sie Schüler nennen

Die Woche der Midterm-Examen

Am Montag begann sie, die Stunde der Wahrheit. Die Woche der Prüfungen begann und auch dieses System unterscheidet sich vom Deutschen:
In Deutschland sagt der Lehrer irgendwann mal ein Datum, wann eine Klausur geschrieben wird und sobald in der selben Woche auch nur eine andere Klausur geschrieben wird, protestiert die Klasse, bis der Lehrer die Klausur verschiebt. In Thailand würden sie uns den Vogel zeigen.
Hier werden alle Examen in einer Woche geschrieben. Es gibt keinen Unterricht, nur Prüfungen. Für die High School sind die Examen für Montag, Mittwoch und Freitag vorgesehen und Dienstag und Donnerstag haben wir somit Schulfrei, da die Klassen aus den unteren Stufen an diesen Tagen ihre Examen schreiben. Alle Klausuren in allen Fächern auf einmal. Ich denke, ich muss nicht beschreiben, wie nervenaufreibend das ist.
Natürlich gibt es für diese Woche auch einen Examenplan, wo die exakte Uhrzeit und Länge der Prüfungen vermerkt ist. Diese Prüfungen gibt es zweimal pro Semester und von ihnen hängt die gesamte Note des Semesters ab. Einen Druck, den man erstmal standhalten muss.
Ich weiß noch, wie ich vor zwei Wochen einen meiner Klassenkameraden sagte, dass ich so froh sei, ein paar freie Tage zu haben, da zu dieser Zeit ein verlängertes Wochenende anstand. Er sagte, dass er sich nicht freue, denn jeder Tag, der verstreiche, bringe sie näher zu den Examen. Ein Gedanke, der mir unendlich Leid tat.
Als ich meine Freunde heute morgen sah, erkannte ich sie kaum wieder. Sie sahen wie Leichen aus, blass, müde, mit Augenringen bis zum Kinn. Ich musste nicht fragen. Ich wusste, dass sie die ganze Nacht über gelernt hatten, denn die Angst, durchzufallen, war viel zu groß. Am Anfang redeten wir auch nicht sehr viel, denn jeder war damit beschäftigt, sich irgendwie noch wach zu halten. Eine Aufgabe, die nicht jedem gelang, sodass einer meiner Klassenkameraden auf dem Flur einschlief und wir ihn wecken mussten, damit er seine Prüfung nicht verpasste. 
Es schien, als ginge dieser Tag nie um. Auch ich hatte viel für diese Examen gelernt, unendlich viel. Von ihnen hängt mein Verbleib in Thailand ab. Doch hatte ich bei weitem nicht so viele und lernaufwendige Kurse wie meine Klasse und ich wusste, wie sehr sie sich dieses zu Herzen nahmen. Die erste Prüfung war Mathe. Ich hatte es für leichter gehalten, als es letztendlich war, doch bin ich zuversichtlich, dass es ausreicht, um zu betehen. Etwas, was nicht jeder meiner Freunde behaupten konnte. Schon nach der ersten Prüfung sah ich in bestürtze Gesichter, doch meine Klasse wäre nicht meine Klasse, wenn sie sich gegenseitig nicht wieder hochziehen würde. Wir schrieben noch zwei weitere Prüfungen, Englisch und South East Asia. Zwischen den Examen hatten wir immernoch sehr viel Zeit, sodass wir noch mehr lernten und uns den Stoff gegenseitig erklärten. Einmal fanden wir sogar die Kraft, um uns etwas zu essen zu holen und ließen uns danach wieder über unsere Bücher fallen.
Diese Schüler sind Maschinen, gebaut vom thailändischen Schulsystem, das dem Teufel nahekommt. Ich habe Anspannung noch nie richtig fühlen können, doch heute lag sie überall in der Luft, schon in dem Moment, in dem man die Schule betrat. Zwischendurch versuchte ich einen meiner Freunde auf andere Gedanken zu bringen und fragte ihn, was er nach dieser Woche alles machen würde. Mit müden Augen lächelte er mich an.
'Ich werde endlich wieder in Ruhe schlafen, ganz lange schlafen, bis die Zahlen und Fakten mich nicht mehr einholen können.'

- Kim

 
 

Donnerstag, 21. Juli 2016

Realist

1 Monat Thailand

Genau einen Monat lang verbringe ich mein Leben nun in Thailand. Ein gänzlich anderes Leben. Ein Leben, das ich nie vergessen werde.
Ich schaue schon jetzt auf tausende Erinnerungen zurück. Wie wir Austauschschüler bei unserer Ankunft im Van saßen und unser Glück nicht fassen konnten, die Stunden im Pool und unser Lachen, mein erster Tag in meiner Gastfamilie, mein erster Schultag, die vielen Tempel und Ausflüge und Gebete und meine Freunde..
Ja, es ist viel passiert. Stellt euch vor, was ich nach 10 Monaten so zu erzählen habe.
Nach einem Monat ist die Euphorie vorbei. Vieles, was mich anfangs so beeindruckt hat, ist nun Alltag geworden. Viele Gesten und Gebräuche sind nun Gewöhnungssache und die ewigen Stunden in der Schule ein Teil von mir und meinem Leben, ohne dessen ich ratlos und verloren wäre. Das ist es nämlich, was man braucht - eine Menge zutun. Eine Menge Ablenkung. Einfach keine Zeit zum Nachdenken. 
Nach einem Monat Thailand weiß ich nämlich auch Folgendes: Zu viel freie Zeit ist Gift im Blut und Nachdenken eine klaffende Wunde, die angreifbar macht. Eine Erkenntnis, die ich durch Erfahrungen machen musste. Erfahrungen, die weh tun und mit einer Menge Tränen verbunden sind. Denn natürlich, es ist nicht so, wie man sich das vorstellt. Man geht nicht in ein Land spaziert und sieht jeden Winkel und jede schöne Seite. Wie in Deutschland auch, hat man auch hier schlechte Tage und könnte alles und jeden an die Wand klatschen. Aber wie schon gesagt, es gibt ebendiese Tage und die gehören zum Leben dazu.
Nach einem Monat Thailand weiß ich die Dinge zu schätzen, die ich hatte. Manchmal denke ich, dass meine Gastfamilie denkt, dass ich in Deutschland reich bin, denn sie haben keine große Couch wie wir oder einen riesigen Flachbildfernseher. Sie haben gewisse Dinge nicht, die für mich einfach selbstverständlich waren. Und wisst ihr was? Sie leben trotzdem. Und sie lieben, was sie haben und sind glücklich, jeden Tag. Und ich liebe sie unendlich dafür.
Ich bin kein Optimist. Ich rede mir die Dinge hier nicht schön, wenn sie nicht schön sind. Ich rede mir die armen Menschen nicht schön, die in Blechhütten leben und diese sich in Slums am Stadtrand befinden. Ich rede mir die Frauen und Männer nicht schön, die auf der Straße liegen, müde, verzweifelt, weinend. Ich rede mir den Bangkoker Verkehr nicht schön, der mich teilweise um den Verstand bringt. Ich rede mir die Tatsache nicht schön, dass es Zeiten gibt, wo ich einfach nur mal wieder Deutsch reden möchte oder etwas gewohntes essen möchte. Dennoch rede ich mir die Dinge nicht schlecht. Die Gebete und Tempel zum Beispiel und das meine Gastmama mich zu jedem Besuch mitnimmt, um mir ihren Glauben zu zeigen. Ich rede mir die Schönheit der Natur nicht schlecht, dieses satte grün der Palmen und Gräser und die wunderschönen Bauten Bangkoks. Ich rede mir die Länge der Schule nicht schlecht und auch nicht das ständig heiße Wetter. Dinge sind, wie sie sind und ich lebe damit. Ich bin nicht mehr von der Euphorie geblendet. Ich bin Realist. Und das macht mich stärker und weniger angreifbar, als ich vorher war.
Niemand hat gesagt, dass es einfach wird. Niemand hat gesagt, dass wir mit Leichtigkeit durch dieses Jahr gehen werden. Und nach einem Monat Thailand sage ich immernoch mit Überzeugung, dass ich meinen Traum lebe, denn auch in Träumen läuft nicht immer alles so, wie man es sich wünscht. Und an alle, die sich das mal gefragt haben:
Nein. Ich bereue nichts.
- Kim



 

Freitag, 15. Juli 2016

Unvergesslicher Geburtstag

Mein Geburtstag in Thailand

Ich wurde sehr früh am Morgen geweckt und da schlug es in mein Kopf - heute ist dein Geburtstag. Ich zog kich schnell um und ging hinunter, wo meine Gastmama bereits auf mich wartete. Sie lächelte mich an und sagte mir, dass es heute Abend eine kleine Party und einen Kuchen geben würde. Ich bedankte mich wahrscheinlich 1000 mal und stieg ins Auto. Auf der Hälfte der Fahrt fing es auch an, bei meinem Gastpapa zu dämmern. 'Happy birthday!' sagte er auf einmal und grinste mich an. Auch Ohm, aus seinen Halbschlaf gerissen, gratulierte mir. 
In der Schule angekommen, wurde ich direkt zur Bücherei weitergeleitet,  weil eine meiner betreuenden Lehrerinnen mir am Tag davor bereits sagte, dass sie mit mir zusammen frühstücken und reden wolle. Ich kaufte mir mein Frühstück und ging hoch zu ihr. Wir redeten über alles mögliche, auch über sehr private Dinge wie Familie und Eltern, Schule und Gefühle und es tat unendlich gut, mit jemanden so offen reden zu können. Meine Freunde holten mich ab, um die Nationalhymne zu singen. Als dies getan war, gingen wir wieder hoch, doch meine Lehrerin hielt mich erneut auf, weil sie wollte, dass ich mit einem Mädchen aus einer niedrigeren Stufe rede, die Angstvor Ausländern hat. Ich versuchte also einfach, ein bisschen mit ihr zu reden, ihre Hobbys, ihr Name, ihre Familie, all sowas. Meine Lehrerin sagte mir danach, dass ich in meinen Klassenraum gehen könne, denn der Unterricht fing bald an. Das erste, was mir auffiel, als ich an meiner Tür angekommen war, war, dass keine Schuhe vor dem Klassenraum standen, denn seine Schuhe zieht man vorher immer aus. Ebenso war die Tür zugeklebt. Das hat mich doch ziemlich verwundert und für einen Moment dachte ich dsrüber nach, ob ich einfach stehen bleiben sollte und auf die anderen warten solle, doch mein Rucksack war schwer und ich, wie ich halt so bin, zu faul um herumzustehen, also machte ich die Tür auf. Alles war dunkel. Ich machte das Licht an und niemand war da. Dafür aber Unmengen an Luftballons, die in der Luft hingen und an der Tafel stand groß und dick 'Happy 17th birthday'. Ich stand bestimmt für 5 Minuten einfach nur da und schaute mich um, mit einem dicken Lächeln im Gesicht. 
Dann ging die Tür auf und schallender Gesang erklang. Da kamen meine Freunde herein, wie in einer Parade, Jimmy im Leopardenkostüm führte die Truppe an und sie hatte eine große und wunderschön verzierte Torte in der Hand. Ich wäre fast umgekippt. Ich wusste wirklich nicht, wie uch darauf reagieren sollte, weil sich alle so viel Mühe gegeben haben und ich stand da und lachte herum und sagte 'Leute, ihr seid so verrückt!! Ihr seid SO VERRÜCKT' Ich blies die Kerzen aus und ein paar meiner Freunde gaben mir Geschenke. Ich habe mich wirklich unendlich sehr gefreut. Wir machten Gruppenbilder und atmeten das Helium einiger Ballons ein und freuten uns über die lustigen Stimmen der anderen. Die Torte war eine Eistorte, aus Schokoladen Eis, mit Sahne und mit Kirschen oben drauf. Es war der reinste Dessert Porno. Diese Überraschung ist so unendlich gelungen und ich konnte meinen Freunden die ganze Zeit nur danken, doch ich wünschte, ich hätte ihnen mehr zeigen können, was sie für mich getan haben.
Nach der Schule holte mein Gastpapa Ohm und mich ab, etwas, was ich ebenfalls noch nie erlebt hatte. Wir fuhren nach Hause und Ohm und ich führten wieder unsere typischen Rückfahrtsgespräche. Zuhause angekommen, strömte uns erstmal dieser wahnsinnige Geruch von Essen entgegen. Als ich hineinkam und in die Küche kam, standen da Nui und meine Gastmama, vollgeschwitzt und mitten an der Arbeit und zauberten viele thailändische Gerichte. Ebenso stand Pizza auf dem Tisch. Ich half ihnen beim Aufdecken, damit wir unser Geburtstagsessen beginnen konnten. Ebenso kam die Tante zu Besuch. Als alles fertig war und die Essenspracht auf dem Tisch stand, rief ich meine Mama aus Deutschland über Skype an, denn meine Familie wollte mit ihnen zusammen feiern. Das war etwas, was mich unendlich glücklich und stolz gemacht hat, denn so konnte ich jedem mein Leben zeigen. Meiner deutschen Familie mein jetziges, meiner thailändischen Familie ein Stück von meinem gewohnten Leben in meiner Heimat. Und es bedeutete mir viel, dass sich meine Familien kennenlernten und sich auch gut verdtehen.
Meine beste Freundin, mein Papa und meine Mama aus Deutschland wurden also mit dem Ipad auf dem Tisch gestellt, um uns alle in Blick zu haben. Plötzlich kamen Nui und Ohm rein, wieder mit einer Eistorte und alle sangen 'Happy birthday'. Ich blies die Kerzen wieder aus und Ohm holte diese Glitzerkanone raus, sodass das ganze Essen voll davon war, doch alle feierten und in dem Moment war es titsl egal, weil es unendlich lustig war. Wir begannen zu essen und ich versuchte, zwischen meiner Familie und meiner thailändischen Familie zu korrespondieren. So wurde meine deutsche Famiie schon nach Thailand eingeladen und meine thailändische Familie gebeten, uns auch mal in Deutschland zu besuchen. Auch etwas, was mich unendlich stolz gemacht hat. Der Tag endete damit, dass wir alles aufräumten und ich später meine Geschenke vor meiner deutschen Mama alleine auspackte. Wir redeten nich über so vieles. 
Ich hatte die ganze Woche über Angst gehabt, dass hier jeder meinen Geburtstag vergessen würde und ich Heimweh bekommen würde. Ich hatte Angst, dass ich mich einsam fühlen würde und mir mein eigener Kopf wieder im Wege steht. Doch es war alles anders. Es war ein perfekter Tag und ein Geburtstag, den ich nie wieder im Leben vergessen werde. Und das bedeutet unendlich viel für mich.
- Kim
   
  

Sonntag, 10. Juli 2016

Die schönen Tage

Shopping Trip 

Meine Gastmama und Nui beschlossen, mit mir zu einem riesigen Markt zu fahren, wo es viele traditionelle Thaisachen zu kaufen gibt. Eir sammelten einen Freund von Nui ein und los ging es. Ich kann wirklich schwer beschreiben, was das für ein Markt war und wie er aufgebaut war. Er war einfach riesig. Überall gab es kleine Gassen mit Ständen, in dir man hinein gehen konnte. Überall sah man die typischen thailändischen Muster und Schmuck ohne Ende. Und überall waren Menschen, die es einen schwer machten, sich zu bewegen. 
Ich hatte anfangs Angst, dass ich zu schüchtern sein werde, um zu sagen, wenn ich etwas kaufen möchte. Aber die Angst verflog sehr schnell, als,ich mich ins Shopping Getümmel stürzte. Meine Gastmama begleitete mich überall hin und verleitete mich manchmal sogar dazu, Dinge zu kaufen. Es war unvorstellbar günstig. Nichts war über 200 Baht, was umgerechnet ungefähr 6 Euro waren. Ging es doch mal über 300 hinaus, handelte meine Gastmama wie die Irre, sodass ich es am Ende für die Hälfte bekam. Ich hätte den ganzen Markt leer kaufen können. Es gab einfach unbeschreiblich viel zu sehen und für jeden Geschmack, jede Altersklasse, jedes Geschlecht war etwas dabei. Elefantenmuster hatten es mir besonders angetan. Ich kaufte mir eine Tasche damit, Schlüsselanhänger und eine Boxershorts, dazu noch T-Shirts (wobei mir eins meine Gastmama für meinen Geburtstag kaufte) und ein Portemonnaie. Ich kaufte noch viel mehr. Schmuck und Tücher durften natürlich auch nicht fehlen. 
Natürlich war dieser Markt ein idealer Ort für Touristen und mir ist bewusst geworden, dass ich schon lange keiner mehr bin. Eine Händlerin sprach meine Gastmama darauf an und sie schenkte mir die Tasche, die ich haben wollte, weil sie es so toll fand, dass jemand für ein Jahr nach Thailand gehen möchte. Sie sagte ebenso, ich würde mich ganz anders verhalten, als normale Touristen. Mir selbst ist das aufgefallen, als ich andere in meinem Kopf dafür verurteilte, dass sie ihre Schultern und Knie nicht bedeckten. Ab da wusste ich, dass ich die Werte dieser Kultur schon teilweise angenommen habe. Ich zeige mich meiner Familie gegenüber nie in kurzen Hosen, weil es mir selbst unangenehm geworden ist. Und das ist ein guter Start der Anpassung, nehme ich an.
Der Markt bot natürlich nicht nur Klamotten und Accessoires, es gab auch unheimlich viel Essen. Meine Gastmama wollte, dass ich thailändisches Eis probiere. Dieses unterscheidet sich darin, dass es aus Kokosmilch und nicht aus Kuhmilch gemacht wird. Serviert bekommt man dies ebenso in einer Kokosnussschale und mit dem Kokosnussfleisch drin. Es war göttlich. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es war einfach nur himmlisch. Später kauften Nui, ihr Kumpel und ich uns noch eine Schokobanane, die von innen gefroren war und von außen eben mit Schokolade überzogen und mit Cashew Nüssen verziert war. Ich denke, ihr könnt euch denken, wie absolut geil das war. Ich hätte alle drei davon essen können, aber mein schlechtes Gewissen hielt mich zurück. 
Mit vielen Tüten und totmüde stiegen wir ins Auto. Es war ein wunderschöner Tag. Es war einer dieser Tage, bei denen mir wieder klar geworden ist, warum ich Thailand gewählt habe. Mir ist wieder richtig klar geworden, wie wundeschön und vielfältig dieses Land ist. Und ich bereue nichts.
- Kim
     
 

Donnerstag, 7. Juli 2016

Die Erlösung

Das Drama um den Stundenplan

Es war ein Tag wie jeder andere. Ich ging zur Schule, setzte mich mit meinem Essen in die Klasse und wartete auf die anderen. Als wir alle zusammen waren, gingen wir hinunter um die National Hymne zu singen. Wir gingen hoch und einer meiner Klassenkameraden spielte Gitarre. Wir anderen lachten und laberten herum - doch dann betrat sie den Raum. 
Eine meiner Lehrerin kam in unseren Klassenraum und bat mich, mit ihr zu reden. Sie hatte einen Zettel in der Hand und ich wusste sofort, dass es um den Stundenplan geht und ich war so froh, dass sich endlich etwas ändern würde. Falsch gedacht. 'Wir können Fächer wie Mathe, Naturwissenschaften, Physik und Chemie nicht ändern, da du diese in Deutschland doch auch hast und sie für deine Schule brauchst.' Während sie all dies so erzählte, merkte ich, wie all meine Hoffnungen, alles, was ich mir so ausgemalt hatte, zerbrach. Habe ich mal erwähnt, dass ich extrem nah am Wasser gebaut bin, seit ich hier bin? Mittlerweile brauche ich nur etwas schönes lesen und es tropft mir aus den Augen. Ich fühlte, dass sich wieder etwas ansammelte, als mir meine Lehrerin all das erzählte. Wie zur Hölle soll ich im Thailand bleiben, wenn ich die Examen nicht bestehe? YFU schickt mich nach Hause. Wie soll ich ein Examen in Chemie bitte bestehen? 
Ich sagte kein Wort zu ihr. Ich nickte und sagte okay und setzte mich wieder hin. Mein Chemielehrer kam rein und wollte mit dem Unterricht anfangen, doch auf einmal waren meine Klassenkameraden weg. So saß ich alleine mit dem Teufel im Klassenraum und wir schwiegen uns an. 'Ich habe gehört, du bist nicht zufrieden mit Chemie? Das brauchst du aber für deine Schule in Deutschland.' hörte ich ihn sagen. Okay Kim, ganz ruhig bleiben. Fang jetzt bloß nicht an zu heulen. Schlag ihn jetzt nicht ins Gesicht. Beruhig dich. 'Ich weiß, dass es in England viel schwerer unterrichtet wird als hier.' Ignorier ihn einfach. Lächel einfach und nicke. Fang nicht an zu heulen.
Eine andere Lehrerin rettete mich aus dieser Situation und bat mich ins Lehrerzimmer. Da saß ich nun meinem Klassenlehrer und dieser Lehrerin gegenüber und zum ersten Mal fragte mich jemand, warum ich denn überhaupt wechseln möchte. Und da hielt ich es nicht mehr, da schoss es einfach heraus. Die Tränen liefen mir jur so übers Gesicht und das war mir unendlich peinlich. Doch ich erzählte alles - dass ich zurück nach Deutschland müsse, wenn ich hier ein Examen nicht bestehe, weil ich dann kein guter Representant meines Landes bin. Dass ich viele Fächer in Deutschland schon längst abgewählt habe. Dass ich nicht wegen der Schule nach Thailand gekommen bin, sondern um die Kultur zu erfahren und mir das am wichtigsten ist und ich dadurch die Klasse wiederhooen würde. Ich erzählte ihr all meine Gründe und da begann es endlich mal zu rattern. Auf einmal standen 5 Lehrer am Tisch und fingen an, zu diskutieren. Auf einmal sagte einer 'Wechseln wir zu Plan B' und dann kann ich mich nur noch an Tastaturen erinnern und fliegende Hände und Fragen, ob ich dies mag und ob ich das mag und und und. Das Resultat - ein perfekter Stundenplan, wie ich ihn mir von Anfang an gewünscht hatte. Mit Thai kochen, Thai tanzen, Thai boxen, Thai Kultur, Südost Asien und was nicht alles. Kein Mathe mehr, keine Naturwissenschaften mehr, kein Chemie und kein Physik. Ich hätte vor Freude wieder heulen können. Und außer mein Chemielehrer, bei dem ich mir selbst geschworen habe, dass ich ihn auf ewig hassen werde, weil er sich nich dreimal darüber beschwert hat, hatte niemand was dagegen. 
Ich habe diesen Plan nun seit einer Woche und das Leben ist leichter geworden. Ich habe nur noch wenig Hausaufgaben und kann mich mehr darauf konzentrieren, Thai zu lernen. Ich habe mehr Zeit für meine Familie. Und was mir besonders auffällt - der Druck, den ich hatte, alles gut und alles perfekt machen zu müssen, ist auch nicht mehr da. Jetzt kann ich Thailand genießen und das tue ich. Ich habe jetzt die Zeit, um mich fürs Schulsportteam anzumelden. Ich habe einen kleinen Tick mehr Freizeit und da bin ich unendlich stolz drauf. Manchmal hilft ein bisschen heulen eben doch mehr als tausend Worte, auch wenn ich mich immernoch dafür schäme. Doch das ist das Leben. Dir wird hier nichts geschenkt. Es liegt in deiner Hand, was du machst und ich habe hiermit die richtige Entscheidung getroffen.
- Kim

Montag, 4. Juli 2016

Moderne Welt und Traditionen

Ein Tag mit meinen Freunden

Am Sonntag gingen meine Freunde und ich in einen Tempel. Ich war sehr aufgeregt, hatte ich sowas ja noch nie gesehen und wollte schon immer mal einen Tempel besuchen. Mein Papa und Ohm fuhren mich zum Tempel hin, wo ich die anderen auch schon sehr bald sah. Es war ungewohnt, meine Klassenkameraden mal ohne Schuluniform zusehen. Sie hatten einen ganz anderen Style, als ich immer gedacht hatte und da ist mir bewusst geworden, was Kleidung aus Leuten macht, weil man komplett andere Bilder von den einzelnen Persönlichkeiten bekommt. Aber darum geht's nun nicht.
Wir gingen in den Tempel Bereich. Ich war so aufgeregt, als ich die ersten Mönche sah und sie mich anlächelten. Frauen gingen auf sie Knie, sobald sie einen sahen. Doch die meisten Mönche ignorierten dies und schauten einfach auf ihr Smartphone. Willkommen im 21. Jahrhundert.
Wir setzten uns nicht zu den anderen Menschen und beteten. Zu meiner Überraschung gingen wir in die Tempelküche. Denn meine Freunde waren nicht gekommen, um zu beten, sie waren gekommen, um religiösen Verdienst zu erwerben. Buddhisten glauben an eine Widergeburt. Es heißt, wenn man viel meditiert, sich als guter Mensch erweist und gute Taten vollbringt, so wird man im nächsten Leben als etwas gutes wiedergeboren. Das ist Karma. Und meine Freunde sorgen sich sehr darum. Wir wuschen die Teller ab, putzten draußen die Fenster, fegten den Hof, doch für mich war Schluss, als wir dann noch die Toilette putzen sollten. Das machten dann meine taffen männlichen Freunde und wir Mädels waren sehr dankbar dafür.
Nach unserem Besuch gingen wir essen. Wir gingen in ein Restaurant, wo es sehr viele Meeresfrüchte und Fisch gab, einfach alles, was man im Meer so findet. Es war einfach traumhaft. Ich habe in meinem Leben noch nie so viel gegessen. Es war einfach mal wieder etwas völlig neues.
Dann fragten mich meine Freunde, ob ich noch Lust hätte, mit ihnen shoppen zu gehen. Ich klärte alles mit meiner Familie und dann gings auch schon los. Wir fuhren in ein riesiges Einkaufszentrum, wo nur sehr reiche Leute etwas kaufen konnten. Das ist eben der Unterschied zwischen Thailand und Deutschland. Wenn sich Mädchen in Deutschland zum shoppen verabreden, kommen sie mit tausenden Tüten zurück. In Thailand eird meist nur geschlendert, herumgeguckt, aus Spaß etwas anprobiert und und und. Wir verbrachten unsere ganze Zeit dort. 
Einer meiner besten Freunde hier meinte, dass es wichtig sei, dass ich mit ihm in die Kunstausstellung ginge, was wir auch taten. Ich hatte mich nie sonderlich für Kunst interessiert, doch als wir dann davor standen, vor den riesigen Gemälden, da fühlte ich auf einmal etwas. Vielleicht bin ich einfach älter geworden und auch wesentlich reifer, um Kunst zu verstehen. Vielleicht wollte ich mich aber auch nur darauf einlassen. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung.
Der Tag endete damit, dass mich meine Mutter und Nui von der Schule wieder abholten und wir nach Hause fuhren. Es war ein Tag voller neuer Eindrücke und Erfahrungen in einem völlig anderen Leben. Der Tag hat mich viel gelehrt. Viel über mich selbst. Und er hat kir gelehrt, dass ich nicht alleine bin, sondern Freunde habe, die Rücksicht nehmen und mir ihre Heimat zeigen wollen. Sie wollen, dass ich ein Teil ihres Lebens bin. Und das bedeutet mir unendlich viel.
- Kim

   
    

Samstag, 2. Juli 2016

Ein Stück Frieden

Wenn Alltag eintritt

Meine erste Schulwoche ist nun um. Eine Woche, an die ich mich erstmal gewöhnen musste. In dieser Woche habe ich besonders gemerkt, dass ich ein absoluter Tierfreund bin und ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass Tiere auch mich sehr lieben und zu schätzen wissen. Moskitos zum Beispiel. Oder die kleinen Ameisen, die ständig in meinem Bett herumkrabbeln. In solchen Momenten bin ich sehr glücklich, dass ich ein Mensch bin, den sowas nicht sonderlich stört. 
Doch ich möchte zurück zur Schule kehren. Ich habe einen Schulalltag, der so anders ist, dass man denkt, man wäre auf einen anderen Planeten gelandet und nicht auf der anderen Seite der Welt. Ich habe jeden Tag von 7:30 bis 16:20 Schule, wobei ich auf meinen Gastbruder Ohm warten muss, der bis 18 Uhr entweder beim Training ist oder Extrakurse aufgrund Defizite belegen musste. Ich fahre im Dunkeln zur Schule, 1 bis 1:30 Stunden. Ich komme im Dunkeln wieder zurück, zwischen 19 und 20 Uhr. Dann noch Berge von Hausaufgaben.
Letztens hatte ich mich daran erinnert, wie ich mich in Deutschland beschwert habe, dass wir so gut wie keine Freizeit haben und immer lernen müssen. Wenn mich jetzt jemand fragt, wie die deutsche Schule ist, ist meine Antwort immer wieder 'In Deutschland haben wir unendlich viel Freizeit'. Sowas fällt einem leider immer erst auf, wenn man sie nicht mehr hat, und so ist es nun. Ich muss dazu sagen, dass ich meine Schule liebe. Ich gehe wirklich gerne zur Schule, ich habe super lustige Klassenkameraden, die die größten Rebellen überhaupt sind, immer glücklich und so hilfsbereit sind. Ich habe Lehrer, mit denen ich jeden Tag rede und die mich unterstützen und mich immer zum Lachen bringen. Ich habe hier ein schönes Leben. Nur eben keine Zeit für mich. 
Manchmal ist das auch ganz gut so, denn dadurch hat man nicht so viel Zeit, um nachzudenken. Gerade in so einer Zeit nachzudenken, ist einfach tödlich für einen selbst. Jeder, der mich gut kennt, weiß, dass ich ein Mensch bin, der durchdreht, wenn er nicht mal alleine sein kann. Diese Zeit habe ich jetzt in die Autofahrt zur Schule gesteckt. Ich höre dann meine deutsche Musik, schaue mir den Bangkoker Verkehr an und das sind meine Stunden voller Ruhe. Es sei denn, ich hab Hausaufgaben auf den Gewissen.
Die Rückfahrt verbringe ich damit, mit Ohm zu reden, über alles mögliche. Er lernt selbst gerade ein bisschen Deutsch in der Schule und ich helfe ihm viel dabei. Er kann jetzt fließend 'Scheiße' sagen und ich bin sehr stolz auf meinen Schüler. Im Gegenzug bringt er mir eine Menge Thai bei. Ich könnte im Grunde genommen nun die ganze Schule auf Thai beleidigen. Ich liebe meinen Gastbruder vom ganzen Herzen. Er ist eunfach der Bruder, den ich in Deutschland nie hatte, den man mal bei Mädchenproblemen helfen kann und der unglaublich sarkastisch ist, was genau meinen Humor entspricht. Doch auch, wenn er das nie so richtig zeigt, er ist ein sehr tiefgründiger Mensch. Als wir am Freitag nach Hause fuhren, haben wir über unsere Religionen gesprochen und er hat mir erzählt, wie verwundert er war, dass ich keine Religion habe. Ich habe ihm erklärt, warum nicht und habe ihn genauer nach seinen Glauben gefragt. Als ich ihn fragte, ob er nun wirklich an Buddha und Karma und Inkarnation glaubte, sagte er:
'Ich glaube an Frieden.' 

 Eine Freundin aus der Schule