Von Samstag bis Montag verbrachte ich die Tage mit 8 meiner Freunde aus dem Thai Programm in Chanthaburi. Wir trafen uns am Samstag an der Schule (jedoch erst nur 5 von uns) und fuhren zusammen los. Den Tag verbrachten wir nicht in Chanthaburi, was ich zuerst vermutet hatte, sondern an einem Strand, der nicht weit von Bangkok entfernt war. Es war ein Strand, der nucht für Touristen bestimmt war, sondern eher für die thailändische Bevölkerung und daher wurde ich immer ein wenig schied angeschaut, sobald man mich sah. Wir mieteten uns eine Reihe von Liegen, die unter einer Plane standen, dann verließen wir die Eltern einer Freundin und gingen alleine los. Es war wirklich ein schöner Strand, der zwar sehr der Ostsee ähnelte, dennoch unendliche viele schöne Dinge bietete. Besonders beeindruckten mich all die Palmen und dass der Sand so unendlich hell war.
Nachdem wir eine Weile herumgeschlendert waren, entdeckte einer meiner Freunde einen Stand, wo man Fahrräder mieten kann. Zurück kam er mit einem Tandem und einem Tridem. Ich kann wirklich nicht beschreiben, wie lustig es war, da an der Promenade langzufahren und sich nich darauf zu konzentrieren, sich nicht zusammen hinzupacken. Doch Dank der Hitze wurde es nach einer Zeit auch ziemlich anstrengend und somit kauften wir uns ein Eis. Als die Hälfte des Tages um war, kamen die anderen Freunde dazu, darunter der Kumpel, mit dem ich mich so gut verstehe. Das wurde zum Anlass genommen, tausende Bilder zu machen, in allen möglichen Posen der Welt. Ebenso waren auch die anderen Eltern gekommen, die ganz gespannt darauf waren, mich kennenzulernen und irgendwie versuchten, mit mir zu reden. Ich war sehr froh, dass wenigstens ein Elternpaar sehr gut Englisch reden konnte, sodass ich mich eine lange Zeit mit ihnen unterhalten konnte. Als es langsam dunkel wurde, besuchten wir einen Nachtmarkt. Der Vater einer Freundin wollte mir unbedingt eine Freude machen und kaufte mir geröstete Maden und andere Insekten, die ich ehrlich gesagt nicht richtig definieren konnte. Die Maden kosteten mich große Überwindung und doppelt so merkwürdig ist es immer, wenn alle einen anstarren und darauf warten, dass du irgendeine Regung zeigst. Um ehrlich zu sein - es hat eigentlich wirklich nicht schlecht geschmeckt. Die Konsestenz der Maden war jedoch ein wenig gewöhnungsbedürftig, gerade von den Dicken und Saftigen (ich hoffe, ich mache hier niemanden hungrig).
Wir schlenderten eine Weile herum. Nebenbei brachten mir meine Freunde ein paar Schimpfwörter auf Thai bei und da der Markt ziemlich voll war, bekam ich den ein oder anderen merkwürdigen Blick ab, wenn ich die Wörter stolz wiederholte. Auch brachte ich ihnen ein paar deutsche Beleidigungen bei, doch dies stellte sich als ziemlich schwierig heraus. Ich meine, wie soll man Thais erklären, warum man manche Leute als 'Lauch' oder 'Lappen' bezeichnet? Das war für sie ziemlich schwer nachzuvollziehen, aber sie stellten keine weiteren Fragen.
Der erste Tag an sich war also ziemlich schön, doch er endete..grauenvoll. Nicht wirklich grauenvoll, aber ihr müsst wissen, dass ich die Nacht davor nicht gut geschlafen habe und ich nach diesem Tag nunmal sehr kaputt war. Wir schliefen diese Nacht im Haus einer Freundin. Im Thai Style. Das heißt, alle schlafen in einem Raum, bis auf die Erwachsenen. An sich war das kein Problem für mich, nur war der Raum für 9 Leute ein wenig klein. Außerdem hatte der Raum einen riesigen Fernseher, womit sie noch eine lange Zeit mit Youtube videos verbrachten, die ich nicht verstand, da sie auf Thai waren. Mein Kumpel hatte seine Gitarre dabei uns spielte mir sehr viel damit vor, was echt schön war. Ich denke, bis 2 Uhr spielten sie auch nich Karten, was ebenfalls ein Spiel war, das ich nicht recht verstand und außerdem spielten sie um Geld, und nunja.. Ich war noch nie ein Spieler. Somit ergatterte ich mir schonmal einen Platz auf der kleinen Couch zum Schlafen. Ein Glück, das nicht jeder von uns hatte. Auf die Couch passten vier Leute. Wir waren neun. Nungut. Ein paar schliefen noch auf den Boden, aber selbst da war kein Platz mehr. So kam es dazu, dass mein Kumpel mit einem Kissen auf meinen angewinkelten Beinen schlafen musste, wobei er sich noch einen Stuhl zurechtrückte, damit er seine Beine irgendwo ablegen konnte. Die ganze Nacht lang traute ich mich nicht, mich zu bewegen. Als wir schließlich um 6 geweckt wurden, hatte ich vielleicht 1 1/2 Stunden geschlafen. So begann der nächste Tag.
An diesem Tag fuhren wir dann nach Chanthaburi, wo wir zwei Holzhäuser gemietet hatten. Diese Häuser standen direkt neben einem Wassergefälle, was sehr laut war, aber auch unendlich schön. Zuerst bereiteten wir den Grill vor. Eine Freundin, mein Kumpel und ich säuberten die Muscheln und ihr Inneres, die auf den Grill kommen sollten, während die anderen Schaschlikspieße, Garnelen und Krabben vorbereiteten. Das alles schmeckte einfach nur göttlich. Nach dem Essen gingen viele meiner Freunde ins Wasser, mein Kumpel und ich blieben jedoch draußen. Er spielte Gitarre, ich hörte zu, ein kleiner Moment von Ruhe. Später saßen wir alle zusammen in einem Schlafzimmer, wo die Jungs schlafen sollten, und sie spielten wieder Karten. Das war eine harte Zeut für mich, da niemand so richtig mit mir redete und sich alle auf Thai unterhielten. Ich denke, wären wir eine kleinere Gruppe gewesen, wäre es anders gekommen, aber so war es nunmal nicht. So schob ich eine Menge Langeweile und das Akku meines Handys leerte sich rasant. Wenn ich bei den Eltern saß und sie mit mir redeten, war es so, dass meine Freunde mir manchmal gar nicht Bescheid sagten, wenn sie irgendwo anders hingingen, sodass ich mich immer ein bisschen zerrissen fühlte. Es war schon ein wenig merkwürdig und ich vermisste meine Klassenkameraden ab und zu sehr. Abends telefonierte ich dann auch eine Weile mit Jimmy aus meiner Klasse, wobei ich ihr all die Dinge erzählte. Der eigentliche Höhepunkt kam dann aber noch:
Jemand packte den Whiskey aus. Mir wurde anfangs schon erklärt, dass sie ein wenig trinken wollen würden und mir war von Anfang an klargewesen, dass ich keinen Tropfen anrühren würde, was ich auch nicht tat. Außer mein Kumpel, der sich ebenfalls zurückhielt, bedienten sich alle anderen reichlich und es brauchte nur ein Glas, da waren sie dicht wie nichts anderes. Ich schwöre, sowas habe ich noch nie erlebt. Ich meine, in Deutschland habe ich selbst Party mit meinen Freunden gemacht und ich kann verstehen, dass man einfach nur ein bisschen Spaß haben will - aber das war kein Spaß mehr. Die erste, die betrunken war, konnte nicht mal mehr stehen und kippte immer wieder um, als sie es versuchte. Das Schlimmste war nich, dass die anderen das lustig fanden. Mein Kumpel und ich schauten uns nur an und schüttelten mit dem Kopf. Ich denke, für so einen Scheiß wurde mir dann doch zu viel über solche Dinge beigebracht, denn wenn in Deutschland jemand so betrunken war, haben wir ihn ins Bett geschickt und mit Wasser versorgt. Doch wir haben nie mit demjenigen herumgespielt, sowie sie es hier taten. Es war eine komplett andere Welt und ich beschloss für mich, dass ich in diese nicht gehören wollte. Später wurde eine Mutter von dem Gerümpel aufgeweckt und die Jungs zogen in ein anderes Zimmer. In der Zwischenzeit war es wieder 3 Uhr. Am nächsten Tag wurden wir wieder um 6 geweckt.
Ich war froh, als der letzte Tag anbrach. Wir fuhren relativ früh los, doch machten immer wieder Stopps. Einmal aßen wir Pad Thai, dann hielten wir an einer Brücke, wo man das Meer sehen konnte die Berge im Hintergrund herausragten. Die anderen machten noch wild Bilder, doch ich hatte da keine Lust mehr drauf, ich dachte nur noch an mein Bett Zuhause bei meiner Gastfamilie. So wäre ich auch beinahe in mich zusammengesackt, als es dann noch zu einer japanischen Anlage ging, wo sie sich eine Hütte einnahmen, die auf einem hohen Gerüst stand, sodass man auf einen See schauen konnte. Dazu bestellten sie Krokodil, Strauß, lebende Garnelen und alle Köstlichkeiten, die es sonst so auf der Straße nicht gibt. Ich probierte nur, aber essen konnte ich nicht wirklich. Auch der Vater meiner Freundin merkte das uns erzählte mir, dass es auch für ihn harte Tage waren und dass Thais manchmal merkwürdige Gewohnheiten haben, ebenso was Unternehmungen betrifft. Er war auch derjenige, der mir sagte, dass er mich nach Hause fahren würde und meine Gastfamilie mich nucht noch irgendwo abholen müsse, wofür ich ihm wirkilch dankbar war. Ich war froh, als ich um 21 Uhr Zuhause eintraf. Ich war froh, dass ich auf diesem Trip dabei war, denn es war schön, mal aus Bangkok herauszukommen und andere Teile von Thailand zusehen. Es war schön, Zeit mit meinem Kumpel zu verbringen und das hat uns auch mehr zusammengeschweißt. Außerdem hat es mich gelehrt, wer meine Freunde sind und wo ich moch für mich selbst sagen kann 'das ist in Ordnung' und 'das nicht'. Denn natürlich, als Austauschschüler sollte man sich anpassen, aber nie seine Werte ablegen und nie seine Akzeptanz in Frage stellen. Und ich habe gemerkt, dass ich in die Welt meiner Klassenkameraden gehöre, nicht in diese andere Welt.
- Kim
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