Dienstag, 20. September 2016

Temporär

Nach 3 Monaten Thailand

Ich erinnere mich nich ganz genau an den 20.06.2016, an den Tag, in dem ich ins Flugzeug stieg, das mich und alle anderen Austauschschüler nach Thailand in unser neues Leben bringen sollte. Dies ist nun exakt 3 Monate her und ich muss wirklich sagen, dass ich mittlerweile angekommen bin. Ich verbringe viel Zeit mit meinen Freunden und fühle mich super wohl in der thailändischen Gesellschaft. Den Kulturschock, den ich anfangs hatte, habe ich nun gut überwunden und ich schaue optimistisch auf die weiteren 7 Monate, die mich noch erwarten.
Wie bereits gesagt, verbringe ich viel Zeit mit meinen Freunden. Ebenso verbringe ich jetzt auch viel mehr Zeit mit meinen neueren Freunden aus der Parallelklasse. Zusammen mit ihnen ging ich letzten Dienstag nach der Schule in eine Mall und besuchten dort ein Restaurant, in dem es so gut wie alles gab, was aus dem Meer kommt. Wir aßen Shrimps und Muscheln, einige Tentakeln von Tintenfischen und ein paar Dinge, von denen ich nicht genau weiß, was es war, es wahrscheinlich aber auch gar nicht wissen möchte. Immer achteten alle sorgfältig darauf, wie ich auf alles reagieren würde und dass es für mich auch nicht allzu scharf war, denn die Farangs können sowas ja nun nicht so gut ab. Auf jeden Fall lachten wir unendlich viel und hatten super viel Spaß und wieder war da wieder dieses Gefühl, dass ich wirklich dazu gehöre. Dass ich mal nicht die Austauschschülerin bin, sondern einfach Kim sein kann, die was mit ihren Freunden macht. Ein echt unglaubliches Gefühl nach all der Zeit des Anders seins.
Nach dem Essen aßen wir wieder etwas, wie Thais halt so sind. Meine Freunde kauften sich noch ein riesiges Sandwich und ein Eis dazu, für mich reichte dann doch ein Frozen Joghurt, doch natürlich sollte ich von allen anderen noch mitprobieren, denn darauf waren sie immer sehr gespannt. Schon bald musste ich jedoch los und drei meiner Freunde begleiteten mich zurück zur Schule. Da ich ein kleines Missverständnis mit meiner Gastmama hatte, die zur Mall gefahren war anstatt zur Schule, mussten wir noch 1 1/2 Stunden auf sie warten, was uns jedoch überhaupt nichts ausmachte, hatten wir uns ja eine Menge zu erzählen. Es war einfach auch mal total cool, über Jungszeug zu reden, was Mädchen unter sich eben so tun. Das ist etwas, was meine neueren Freunde von meinen Klassenkameraden unterscheidet und so war es doch mal eine witzige Abwechslung. Was mich jedoch sehr berührte, war, dass sie mich zu unendlich vielen Unternehmungen einluden, bei denen ich mitkommen sollte. Der nächste Trip sollte bald stattfinden, denn sie hatten ein Haus in Chanthaburi gemietet, welches direkt an einem Wasserfall liegt - und ratet mal, wer mitkommen darf? Richtig, diesen Samstag gehts los und meine Vorfreude ist grenzenlos!
Auch mit meinen Klassenkameraden ist alles hervorragend. Ich merke immer wieder, wie viel Vertrauen sie mir schenken, jeder einzelne. So gibt es einige Dinge, die jeder nur mit mir alleine bespricht, weil ich einfach vom Denken her so anders bin als die Thais, denn hier in Thailand redet man mit seinen Freunden nicht über Probleme. Man bewahrt sein Gesicht und die Maske sitzt perfekt. Jedes einzelne Mal bedeutet es mir unendlich viel, wenn ich die Masken meiner Freunde ein wenig bröckeln kann. So redete ich letzten Freitag 1 Stunde lang mit Jimmy aus meiner Klasse über die Dinge, die ihr auf dem Herzen lagen, sowie ihr Exfreund oder ihre Schulnoten. Und auch Ta aus meiner Klasse vertraute mir etwas an, das nur ich wissen durfte, etwas über eine Akademie, auf die er gehen sollte und für die er Deutsch lernen sollte. Ich spüre, wie viele meinen Rat suchen und wie sehr sie mich schätzen und auch wie viel es ihnen bedeutet, dass ich immer mit ihnen über solche Dinge reden kann. Und da brach es mir glatt das Herz, als Jimmy aus dem nichts zu mir sagte: 
'Ich will nicht, dass du wieder gehst.'
In dem Moment habe ich wieder wirklich klar realisiert, was hier eigentlich passiert. Jeden Tag arbeite ich sn meinem Leben hier. Jeden Tag verbessere ich meine Sprache ein wenig, versuche mich zu integrieren, baue eine tiefere Verbindung zu meinen Freunden auf. Jeden Tag lerne ich dazu und arbeite hart an mir und meiner Einstellung, um mich Thailand anzupassen. Und irgendwann gehe ich wieder zurück und das war's. Mein Leben hier ist zuende. Ich vergesse so oft, dass mein Leben hier temporär ist. Und es macht mich so unendlich traurig, zu wissen, dass es nicht gewiss ist, wann ich all die Leute nach diesem Jahr wiedersehen kann. Es ist, wie unsere Betreuer es uns damals gesagt haben 'Ein Auslandsjahr ist kein Jahr in deinem Leben, es ist ein Leben in einem Jahr.' Es wird mir so schwerfallen, dieses Leben hinter mich zulassen. Ich weiß noch, wie ich in meinem Kulturschock dachte 'Gott, die Zeit vergeht ja nie.' Und als mein sehr guter Freund mich gefragt hat, wann ich wieder zurück müsse und ich mit 'Ende April' antwortete, sagte er total entsetzt: 'Was, so früh schon? Das ist ja schon bald!'
Ich habe hier gelernt, dass mir nichts so sehr Angst macht, wie die Zeit, denn sie fliegt, jeden Tag. Jeder Tag bringt mich dem Ende dieses Jahres näher und auch wenn einige jetzt wahrscheinlich denken werden 'Wieso macht sie sich so viele Gedanken, es sind doch moch 7 Monate?' Ja, es sind noch 7 Monate, aber es waren mal 10. Und wie meine beste Freundin hier in Thailand mal sagte: 'Wir müssen jeden einzelnen Moment hier zusammen ausnutzen, denn du hast nur dieses Jahr und die Zeit vergeht so schnell und am Ende werden wir es bereuen, dass wir so wenig miteinander gemacht haben.' Es ist so schön, hier zu sein. Und immer wieder denke ich mir, dass es doch unfassbar ist, was ich hier mache und was hier passiert. Unfassbar, was ich erleben darf. Unfassbar, dass das Leben so schön sein kann.
- Kim
  
 

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