Montag, 9. Januar 2017

Weihnachten und Neujahr

Das Ende von 2016 und der Anfang von 2017

"Jedes neue Jahr ist eine neue Chance."
Bevor ich in meinen Schreibwahn komme, wünsche ich euch allen ein erfolgreiches und schönes Jahr 2017. Wenn ihr Träume habt, lebt sie. Lasst keine Chancen gehen. Es ist immer besser, sich am Ende zusagen 'okay, das war nichts', anstatt sein Leben lang zu bereuen, es nie versucht zu haben.

Wo fange ich nur an? Ich versuche einfach da wieder aufzubauen, wo ich das letzte Mal aufgehört hatte, und das waren die Midterms. Die Midterms waren mal wieder ein Fall für sich selbst. Hart. Ansrpuchsvoll. Aber machbar. Mit einer Menge Lernaufwand. Wir alle waren unfassbar froh, als wir es geschafft hatten. Zur Feier des Tages gingen meine Freunde und ich in ein typisch japanisches Restaurant, um Ramen zu essen, ein ebenso typisch japanisches Gericht. Anschließend gingen wir in die Mall, bis Ohm anrief und sagte, dass mein Gastpapa uns nun abholen würde. Zur Feier des Tages wurde Zuhause auch groß gekocht und Ohm war froh, dass er sich wieder seiner großen Liebe, dem Computer, widmen konnte.
Zwei Tage darauf war Weihnachten, ein Tag, den ich bis ins Mark gefürchtet habe. Morgens rief ich meine Mama in Deutschland an und wir packten gemeinsam die Geschenke aus, die sie mir aus Deutschland geschickt hatte, etwas, was mich einerseits sehr glücklich und andererseits auch ziemlich traurig gemacht hatte, denn wer sitzt Weihnachten schon alleine in seinem Zimmer? Einmal hatte ich einen YFU Eintrag gesehen, wo stand, dass Weihnachten immer für alle sehr schwierig sei, wir es aber genießen sollten, dieses Fest mal auf eine völlig neue Art zelebrieren zu können. Sagt mir, YFU, wie soll man Weihnachten in einem Land genießen, in dem Weihnachten so gut wie gar nicht existiert? Wo Tannenbäume für die ausländischen Touristen in die Malls gestellt werden und das dann 'weihnachtliche Atmosphäre'? Daran hatte wohl niemand gedacht und ich, in meiner Weihnachtsdepression, fühlte mich am Weihnachtsmorgen zum Kotzen. Ich ging runter, um etwas zu essen und Mae erzählte mir, dass wir die Kirche der Grundschule von Nui und Ohm abends besuchen würden, wenn ich wollte. Alles, was ich wollte, war Ablenkung, daher war ich für diesen Vorschlag sehr dankbar. 
Bevor wir losfuhren, gab ich auch Mae, Nui und Ohm die Weihnachtsgeschenke, die meine Mama für sie mitgeschickt hatte. Alle waren sehr begeistert von den Dingen, die man für sie ausgesucht hatte und ich freute mich für meine Mama, denn ihr ist es immer sehr wichtig, meiner Gastfamilie eine Freude zu machen. Dann fuhren wir los. Die Grundschule meiner Gastgeschwister ist eine katholische Schule (warum auch immer) und besaß daher eine Kirche. Die Bäume vor der Kirche waren mit Lichtern beschmückt und alles leuchtete prächtig und zum ersten Mal holte kich etwas wie Weihnachtsstimmung ein. Auf Drängen von Mae hin ginen Nui und ich dann in die Kirche hinein. Wir saßen eine kurze Weile dort und sagten nichts. Dann fragte Nui mich, nachdem sie mich aus dem Augenwinkel beobachtet hatte 'Möchtest du nicht beten?' 'Nein, ich bin nicht religiös.' 'Achja, stimmt ja! Das hatten wir total vergessen, sorry.' 'Ist doch kein Problem, ich finde Kirchen eher gruselig.' 'Wollen wir verschwinden?' 'Sofort' - und somit gingen wir nach 5 Minuten in der Kirche wieder hinaus. Das sollte aber nicht unser einziger Stopp sein, nein - wir fuhren weiter in eine der größten Malls Bangkoks, etwas weiter in die Innenstadt hinein. Vor der Mall gab es einen Thaiboxkampf, der sogar vom Fernsehen verfolgt wurde, doch es waren so viele Leute dort, dass wir nichts sehen konnten und uns zur Weihnachtsausstellung durchkämpften, die daneben war. Es waren unendlich viele Lichter aufgebaut mit riesigen Tannenbäumen und Rentierskulpturen. Es war wirklich richtig schön und beeindruckend anzuschauen.. wären da nicht die Menschenmassen gewesen, die uns stetig weiterdrängten. Es gelang uns trotzdem, ein paar Bilder zu machen, bevor wir weitergingen. In der Mall angekommen, suchten wir ein bestimmtes Restaurant, in dem Nui essen wollte.. das jedoch dann überfüllt war. Am ende saßen wir dann in einem Straßenbusiness und aßen wirklich gutes Essen. Ich lachte viel mit Ohm, dem meine ACDC Tasche peinlich war und so immer 5m Abstand nahm, um zu demonstrieren, dass er nicht zu mir gehörte. Als dann noch Weihnachtsmusik lief und ich meinen Tanzschritt einsetzte, wurden au den 5m dann 10.
Wir mussten zu unserem Auto laufen, da kein Taxi uns mitnehmen wollte. In der Innenstadt nehmen Taxen generell kaum Thais mit, da man diese nucht so gut mit dem Geld hintergehen kann wie Ausländer. Einmal hatten wir die Taktik, dass ich ein Taxi heranrufe, doch selbst das klappte diesmal nicht, denn als die Fahrer sahen, dass Thais direkt hinter mir standen, fuhren sie direkt weiter. 
Also mussten wir laufen. Ewig. Aber nachts durch Bangkok zu laufen, hat wirklich was wunderschönes und ich genieße das jedes Mal. Dann am Auto angekommen, waren wir alle ziemlich erledigt. Zuhause waren wir gegen 23 Uhr. Da erwartete mich eine letzte Überraschung - meine beste Freundin schickte mir ein Video, wo alle meine Freunde einen Ausschnitt von sich aufgenommen haben, in dem sie mir Frohe Weihnachten wünschten und kir noch ein paar persönliche Sachen sagten. Auch nochmal hier, an alle, die dabei waren, vielen vielen Dank für diese wundervolle Überraschung und danke an Jojo, dass du an mich gedacht hast und sowas tolles auf die Beine gestellt hast!
Da ich nun Ferien bis zum 18. Januar habe aufgrund der Sportspiele meiner Schule, musste ich, im Gegensatz zu allen anderen Schulen, nicht zur Schule. Die Zeit bis Neujahr zog sich unglaublich. Doch ich konnte meinen Willen endlich ein wenig durchsetzen und meiner Gastmama wirklich zeigen, dass ich unbedingt anfangen möchte, Thai boxen zu lernen. Meine Gastmama suchte also eine Schule raus und eir gingen zum Probetraining. Unglaublich hart. Unglaubilch anspruchsvoll. Unglaublich viel Spaß und ein wunderbarer Ausgleich gegen all die langweiligen Stunden, die ich in meinem Zimmer verbringe. Damit gingen die Tage auch ein bisschen schneller vorbei.
Für Neujahr hatte ich gar nichts geplant. Meine Freunde machten keine Neujahrsparty, was mich ziemlich traurig gemacht hatte. Also lag ich da, einen Abend vor Neujahr, schon ein bisschen verzweifelt. Doch dann kam eine Nachricht von Mira, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr und Finn (Austauschschülerin aus der Schweiz) etwas zu unternehmen. Und wie ich das hatte! Wir verabredeten also alles und besprachen alles und ich redete mit meiner Gastmama - und da stand er, der Plan für Neujahr. Am Morgen des 31.12.2016 machte ich mich also fertig und fuhr mit meinem Gastpapa zu Siam, einen unglaublich riesigen Einkaufszentrum in der Innenstadt von Bangkok. Dort wartete ich auf die beiden. Finn kam als erste und wir warteten noch ein bisschen auf Mira. Als wir dann vollständig waren, gingen wir erstmal ein bisschen bummeln, schauten mal hier und da und hatten natürlich auch unglaublich viel zu erzählen. Wir aßen in einem Restaurant für Pasta, wo wir Nudeln und Pizza bestellten, was alles wirklich göttlich war und mal eine gute Abwechslung zum typischen Thai essen war. Als es langsam dem Abend neigte, kauften wir ein paar Snacks für Zuhause und fuhren anschließend zu mir nach Hause. Dort wartete meine Gastmama schon auf uns, denn unsere Nachbarn gaben eine kleine Party, wo wir eingeladen waren. Sie hatten unendlich viele Lichter aufgehängt und ganz viel Essen gekocht, dazu gute Musik angemacht. Wir begrüßten alle und durften uns dann bedienen. Dazu plauderten wur alle ganz gemütlich und lachten sehr viel. Das hatte mir mal wieder gezeigt, wie wunderbar schön es ist, in meinem Distrikt zu wohnen und wie sehr ich das doch liebe. 
Als es anfing zu nieseln, zogen wir uns zurück und vertrieben uns die Zeit bis 0 Uhr. Kurz vor 12 setzten wir uns mit Sodabrause an unserem Steintisch unter unserem Mangobaum und zählten zusammen mit meiner Gastmama zusammen runter. Feuerwerk gab es nicht, denn wir befinden nus immernoch im Trauerjahr. Bangkok war still. 2017 war still. Aber gemütlich.
Wir nahmen uns erstmal die Zeit, in Deutschland anzurufen, wo es zwar noch 2016 war, aber das machte uns nichts aus. Unsere Liebsten wurden also angerufen, wir tranken in Ruhe aus und gingen dann doch relativ schnell zu Bett. Morgens machten wir auch nicht viel, bis meine Gastmama die beiden dann wegfuhr und ich mit meiner Gastfamilie wieder alleine war. Das ist jetzt 9 Tage her und seitdem war 2017 für mich sehr ruhig. Ich verbrachte viel Zeit damit, mit meinen deutschen Freunden zu schreiben, wo ich dann wieder das Gefühl hatte, die Zeit klebt wie ein Kaugummi fest. Je nöher man dem Ende ist, desto weniger will es kommen. Es sind jetzt nur noch 3 Monate und 11 Tage bis zu meiner Rückkehr und es gibt noch einiges zu erleben. Sehnsüchtig warte ich schon auf das YFU Endcamp im März und danach wird meine liebe Miri ein paar Tage bei mir in Bangkok bleiben und ich werde zusammen mit ihr nach Petchabun, ihrem Zuhause im Norden, fliegen. Etwas, worauf ich mich schon wahnsinnig freue und drauf hinarbeite.
Ich hoffe, es geht euch da drüben allen gut. Ich habe gehört, es sei bitterkalt und irgendwie macht mich das ein bisschen neidisch, denn soetwas wie Kälte kenne ich nicht mehr und ehrlich gesagt habe ich auch das Gefühl vergessen, zu frieren. Auch, wenn das jetzt melodramatisch klingt. Es gibt so viel, was ich vergessen habe. Wie ein Brot schmeckt. Kälte. Wie sich eine richtige Umarmung anfühlt, denn sowas macht man hier nicht. Und woraufhin meine Mama immer hindeutet - Stress kenne ich auch nicht mehr. 2017 wird ein verdammt tolles, aber auch schweres Jahr, denn ich werde erleben, wie es ist, in zwei Welten zu stecken und ich hab manchmal Angst, dass mich das zerreißen wird. Aber ich habe noch Zeit.
Und freue mich auf Zuhause.
- Kim
     
    
 

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