Freitag, 27. Januar 2017

Schulbeginn und andere Mysterien

Nach 7 Monaten Thailand

Ich gebe zu, diesmal habe ich es verpasst, direkt am 20. Januar zu schreiben und einen Monatsbericht zu hinterlegen. Um ehrlich zu sein, bin ich motivationslos und hab einfach nicht die richtigen Worte gefunden. Aber jetzt bin ich wieder da, raus aus meiner kleinen Einöde und hab wieder ein paar Dinge, über die ich reden kann.

Jetzt sind es nur noch 3 Monate. 3 Monate intensives leben und es wird langsam an der Zeit, Abschied zunehmen, denn meine Schule endet bald. Dann ist es nicht mehr lange, bis zum YFU Endcamp und danach werde ich Miri besuchen. Die Zeit wird fliegen. Die letzten Monate werden fliegen. 

Die Schule hat am Donnerstag endlich wieder angefangen. Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr auf etwas gefreut. Und ja, es ist ein Wunder, dass Thailand mich schon so weit gebracht hat, dass ich mich auf Schule freue, wobei mein Schulalltag ja auch noch super stressig ist. Doch die Ferien haben mir die Augen geöffnet: Nichts ist schlimmer, als Langeweile. Ich habe dies in vorherigen Posts schon einmal angedeutet. Die Ferien waren eine einzige Hölle und ich habe die Tage heruntergezählt, bis ich wieder in die Schule gehen kann und mit meinen Freunden zusammen sein kann. Ihr wisst, dass ich meine Gastfamilie sehr liebe und ich weiß auch, dass sie mich lieben, da bin ich mir sogar sehr sicher. Schwierig ist für mich einfach, was einerseits auch sehr schön ist, dass sie mich wirklich als richtiges Familienmitglied sehen und nicht mehr als Austauschschüler. Ich habe nie eine Sonderbehandlung gewollt. Ich wollte eine von ihnen sein. Doch unternehmen oder herumfahren oder mal ein paar neue Sachen zeigen, tun sie nicht mehr, da sie selbst ja auch viel zu tun haben, was ich auch sehr verstehen kann.
So kam es, dass ich die ganzen Ferien über nach Neujahr einfach nur im Bett lag. Und das ist kein Witz und nicht übertrieben. Gegen 10 Uhr bin ich aufgestanden, habe etwas gegessen und bin wieder in mein Zimmer gegangen. Gegen 17 Uhr bin ich dann nochmal runter, um etwas zu essen und bin dann wieder hoch gegangen. Jemand Zuhause? Meistens nicht. Sturmfrei fast die ganze Zeit. Für viele klingt das wie ein Traum. Glaubt mir, nein. Es war die Hölle. Nach 7 Monaten ist es schwer, viele Dinge zu akzeptieren, die man schon so ewig lange akzeptiere musste und es gibt viele Dinge, die einen auf einmal unendlich auf die Nerven gehen. Es sind immer so Kleinigkeiten, die dann aber doch im Magen liegen, und das ständige alleine sein hat eine Menge dieser Dinge noch mehr angestaut, als sie vorher schon waren. Die Ferien waren hart, härter, als ich mir je vorsgestellt hatte.
Wenn man in so einem 'Stadium' ist, ist alleine sein umso schwerer. Weil man nachdenkt, viel zu viel und mehr, als einem gut tut. Zu viel Zeit für mich und die Zeit stand auf einmal still.
Doch dann fing die Schule wieder an. Ihr glaubt nicht, wie motiviert ich am Donnerstag aufgestanden bin und wie unglaublich schön es war, als dann meine ersten Freunde in unserem Raum kamen. Wir haben erstmal die Zeit damit verbracht, den Tannenbaum abzuschmücken die weihnachtliche Atmosphäre zu beseitigen. Später saßen wir alle einfach nur rum, haben ein bisschen erzählt und Ken hat wieder Gitarre gespielt. Meine wunderschöne Routine zurück. Gott, hatte ich das vermisst. Selbst die Lehrer, die mir manchmal echt auf die Nerven gingen, hatte ich vermisst und hab auch gleich viel motivierter mitgearbeitet als vorher. Den ersten Schultag verbrachten meine Freunde und ich mit Schlafen. Da wir wenige in einem Klassenraum sind, hat sich jeder drei Stühle zusammengeschoben, auf die er sich dann legen konnte. Wenn ein Lehrer reinkam, dachte dieser zuerst immer, dass niemand im Raum wäre, bis der erste den Kopf hob und dann alle anderen auch ihre Köpfe hoben um zu schauen, wer da hereinkam. Meine Englischlehrerin hat sich weggeschmissen vor Lachen und ich bin mir sicher, dass das ziemlich lustig ausgesehen haben muss. Letztendlich haben die Lehrer uns dann schlafen lassen, weil sie selbst keie Lust auf Unterricht hatten. Das Ding ist auch, dass ich in meinem kompletten Schuljahr noch 4 Wochen Schule habe, wobei eine Woche von den Final Examen belegt wurde. Zwischendurch hab ich dann auch nochmal ein paar Tage frei, sodass die Lehrer gar nicht wissen, was sie mit uns machen sollen. Um ein Examen gestalten zu können, lassen sie uns viele Filme schauen oder machen Projekte mit uns, die eigentlich sogar Spaß machen, sodass wir über die am Ende schreiben können. Aber für 3 Wochen Schule noch ein komplexes Thema anzufangen.. Das lohnt sich einfach nicht. Und so werden die letzten Schulwochen in Thailand sehr entspannt. Was dann auch bedeutet, dass meine Schulzeit hier dem Ende naht und ich alle Lehrer und Schüler hier bald nie wiedersehen würde. Noch ein Zeichen dafür, dass meine Zeit hier bald zu Ende ist.
Unsere Englischlehrerin hat uns ein Kochprojekt gegeben. Am Dienstag nach der Schule hatten wir uns alle im Supermarkt versammelt, wo wir zusammen die Zutaten eingekauft haben und dann gingen wir zu Boss' Haus, um dort zu kochen. Es war wirklich unfassbar lustig und hat so viel Spaß gemacht. Ich spreche jetzt schon viel mehr Thai mit meinen Freunden, was oftmals zu lustigen Gesprächen führt, denn wenn ich ein chlechtes Wort auf Thai sage, ist es für alle natürlich verdammt witzig, wodurch wir dann eine Menge zu Lachen hatten. Zuerst ging das Essen schief und die Küche war ein Chaos, nebenbei mussten wir noch jeden Schritt filmen, was dann schnell zu Ausrastern kam, wenn etwas nicht funktionierte. Es war ein wunderbares Chaos und ich hab jede einzelne Sekunde genossen. Am Ende entsand dann ein Knoblauchbrot mit Parmesanhühnchen mit Pasta umwickelt. Am nächsten Tag mussten wir dies in der Schule vorzeigen und es war ein voller Erfolg, worauf wir sehr stolz waren.
Das nächste Geschehen ist, dass Jimmy sich für als Schulsprecherin zur Wahl gestellt hat und nun sind wir den ganzen Tag damit beschäftigt, Wahlposter zu machen und mit Schildern und Megaphone um die Schule zuziehen. Jimmy steigert sich da wirklich sehr rein und wir tun alles, um sie zu unterstützen und meiner Meinung nach, ist es das Allerschönste gewesen, als jeder unter den viele Posts und Werbungen 'Familiengeschäft' geschrieben hat, denn da ist irgendwie genau das, was wir verkörpern - eine kleine Familie und viel mehr als nur Freunde. 
Jetzt gerade sitze ich im Klassenzimmer, während Boss, mein Klassenkamerad, verzweifelt versucht, eine Flasche in die Mülltonne zu werfen und er wird langsam nervös, weil er nicht trifft. KT und Jimmy essen ihr Mittagessen, Ta schaut sich Videos bei Youtube an und Ken spielt Gitarre. Mein wunderbarer Alltag ist wieder da. Und diese Zeit werde ich auf jeden Fall mitnehmen, weil es niemals wieder so werden wird. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, tut das doch schon ziemlich weh.
-Kim

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