Heute ist es also wieder soweit, der 20. ist da und ein weiterer Monat rum. Der 6. Monat. 4 Monate Thailand bleiben mir noch.
4 Monate Thailand, die es in sich haben werden. Das Endcamp von YFU steht noch an, worauf wir uns alle schon unendlich drauf freuen. Diesmal werden wir ungefähr für 10 Tage verreisen, ein paar Tage ganz in den Norden und dann noch ganz nach unten in den Süden. Meine Vorfreude ist grenzenlos und ich kann es kaum noch erwarten.
In dieser Woche stehen die Midterms an. Das bedeutet, dass die erste Hälfte des zweiten Semesters dann auch schon um ist und meine Schule wird dann bis zum 18 Januar Ferien haben. Am 28 Februar endet die Schule dann komplett für mich. In meinem gesamten Jahr hier in Thailand bleiben mir also nur noch um die 5 Wochen Schule. Es ist der Wahnsinn, dass das alles hier bald enden wird.
In der letzten Zeit verbringe ich unendlich viel Zeit mit meinen Freunden, da ich nun auch alleine Taxi fahren kann und meine Familie mir somit vertraut, dass ich alleine nach Hause komme. Ich liebe diesen kleinen Funken Selbstständigkeit und jetzt muss ich mich auch nucht mehr schlecht fühlen, wenn meine Freunde mich irgendwohin einladen und ich Angst habe, meiner Familie zur Last zu fallen und somit absage. Wenn meine Freunde mich jetzt fragen, sage ich kaum noch ab. In der letzten Zeit bin ich somit sehr oft mit Jimmy in die Mall gegangen und haben verschiedene Restaurants ausprobiert und durch die Läden gelaufen. Außerdem haben wir beide unsere Liebe für Rockmusik offenbart, wobei wir uns dann beide die Selbe ACDC Tasche gekauft haben. Mit dem Stäbchen zu essen habe ich dank Jimmy nun perfektioniert und ich scheue mich nicht mehr davor und kriege auch keine Schweißausbrüche, wenn wir in ein Restaurant gehen, wo es weder Gabel noch Löffel gibt. Ich fühle mich wohl in meiner Haut, wenn ich bei meinen Freunden bin. Letztens sind Jimmy und ich mal wieder durch die Mall gelaufen und haben einen Zuckerwattestand gefunden, der Tiere aus Zuckerwatte machen konnte. Am Ende lief ich mit einem riesigen pinken Zuckerwattepinguin durch die Mall und Jimmy mit einem großen Zuckerwattebären und haben nus gefühlt, als wären wir wieder drei Jahre alt - einfach unbeschwert und ziemlich glücklich.
Was mich ein bisschen zerstört innerlich, ist die Weihnachtszeit. Heute ist der 20. Dezember und ich lebe in einem Land, wo Weihnachten nicht zelebriert wird. Klar, in manchen Malls stehen Weihnachtsbäume in der Gegend herum und die Shops sind alle im Sale, aber ich komme nach Hause, ohne Weihnachtsbaum, ohne geschmücktes Haus oder Plätzchengeruch in der Luft, immernoch 34 Grad draußen und Schnee existiert sowieso nur in meinen Träumen. Ganz ehrlich, Weihnachten unter Palmen ist scheiße. Und kommt niemals auf die Idee, an Weihnachten zu verreisen, denn es ist kein Weihnachten mehr. Ich bin nur froh, wenn dieser Tag vorbei ist und es aufhört, mich zu zerreißen. Meine Freunde haben gemerkt, dass ich drunter leide und schon wurde mit unserer Lieblingslehrerin Teacher June eine Weihnachtsfeier geplant, die letzten Freitag vor den Midterms stattfand. Ta kaufte einen Plastikweihnachtsbaum, der nun in unserem Klassenraum steht und KT kaufte Lichterketten und Schmuck für den Klassenraum. Wenn man nun in unsere Klasse kommt, hängt ein Kranz mit Glocke an der Tür und über der Tafel hängen Girlanden mit 'Happy New Year'. Selbst an Weihnachtsmützen hatten wir gedacht. Eine vielzahl an Essen wurde gekauft, ich brachte Pfeffernüsse und Christstollen mit, den meine Mama aus Deutschland mir extra geschickt hatte. Teacher June brachte ein Brathähnchen mit und meine Freunde Nudeln, Kuchen, Kartoffelbrei und viele Kekse. Ebenfalls machten wir einen Julklapp: Jeder kaufte ein Geschenk und am Ende wurde gelost. Ich hatte eine Bob Marley CD gekauft, sowie ein Notizbuch und ein Postkartenbuch, Pralinen und ein kleines Stofftier, dass daran erinnern sollte, dass bald das letzte Schuljahr anbricht. Glücklicherweise bekam Jimmy mein Geschenk und sie freute sich riesig. Ich bekam ein echt tolles Notizbuch mit Schreibset von KT, worüber ich mich sehr freute, denn Notizbücher waren schon immer mein Ding. Die Feier war einfach wunderschön und ausgelassen, wir alle aßen und hörten dabei Weihnachtsmusik und scherzten herum. Zum ersten Mal in diesem Jahr fühlte ich soetwas wie Weihnachtsstimmung. Doch bald ich die Schule verließ, war der Zauber schon wieder vorbei.
Ich habe ein bisschen Angst vor den Ferien. Jimmy besucht ihre Familie im Norden und was meine anderen Freunde machen, weiß ich nicht so Recht. Ich weiß, dass ich nicht lange einfach nur Zuhause bleiben kann, denn dann drehe ich durch. Daher hab ich mir überlegt, dass ich doch endlich mal anfangen könnte, Thai boxen in einer professionellen Schule zu trainieren. Bisher war ich noch nicht so richtig fündig, da es auch schwierig ist, ein Studio zu finden, das relativ leicht zu erreichen ist und was nicht allzu teuer ist.. aber ich bleibe dran und habe schon einige Mails verschickt. Und sobald es da etwas neues gibt, werde ich berichten.
Auch Neujahr ist ein kleines Problem, denn meine Familie feiert nicht, wie sie mir schon gesagt hat. Ein Neujahrsfest in Thailand möchte ich aber auf keinen Fall verpassen, auch, wenn es wahrscheinlich keine Raketen geben wird aufgrund des Todes des Königs. Jimmy hatte mich eingeladen, ihre Familie im Norden mitzubesuchen, doch ich möchte nicht zwischen ihrer Familie sitzen, die sie nur einmal im Jahr sieht. Ich denke, auch, wenn sie das nie zugeben würde, ich würde einfach ein bisschen stören in allen Gesprächen und mit dem übersetzen und allem. Daher habe ich mut KT geredet, die gerne eine Party mit dem Rest der Klasse machen würde. Eine Neujahrsparty ist also in Planung und ich freue kich schon sehr darauf!
Worauf ich mich übrigens auch unendlich sehr drauf freue, ist das Coldplay Konzert. Ihr werdet es nicht glauben, aber Coldplay kommt nach Thailand, in das Stadion direkt neben meiner Schule. Der Vorverkauf wurde groß angekündigt und jeder war so gespannt darauf. Da so gut wie alle meine Klassenkameraden Coldplay vergöttern, ebenso ich, wollten wir unbedingt diese Tickets haben. Umso enttäuschender, dass alle Tickets, die einen einigermaßen anständigen Preis hatten, nach 2 Minuten ausverkauft waren. Ist das zu fassen? Zwei verdammte Minuten. Die Enttäuschung war bei uns allen grenzenlos. Doch gestern kam KT mit einem riesigen Grinsen in die Schule: 'Leute, wir gehen aufs Coldplay Konzert.' Wir dachten zuerst, das sollte ein echt fieser Witz sein, um nochmal in der Wunde zu bohren, aber sie hatte tatsächlich jemanden gefunden, der Tickets verkaufte, zwar ein bisschen teurer als sie zuvor waren, aber immernoch in Maßen. Die Karten wurden reserviert. Am 7 April sehen wir also Coldplay. Ich kanns kaum nich erwarten und das wird ein absolut schöner Abschluss, denn am 19 April gehts ja schon nach Deutschland.
Ja, das ist mein Leben so zurzeit. Ich war lange nicht so glücklich und einsam zugleich. Es ist schwer, meine Gefühlswelt zu beschreiben, da es wahnsinnig oft so ist, dass ich in einem Moment fliege und im nächsten schon wieder knallhart auf den Boden aufschlage. Aber so viele Dinge passieren, jeden Tag. Und die letzten 4 Monate sollten so intensiv gelebt werden wie nur möglich. Ich bin dankbar für alles hier. Und manchmal tut es mir weh, nicht zu wissen, was in Zukunft und wie schnell ich meine Freunde wiedersehen werde, nachdem ich sie verlassen habe. Aber vielleicht ist das auch das schöne am Leben - Ungewissheit. Denn dann ist die Freude größer, wenn es dann wieder soweit ist. Aber noch bin ich hier und atme jeden Moment, jedes Lachen ein und gebe es nicht mehr her.
- Kim
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