Endlich war es soweit - am Samstag wachte ich auf, die Taschen schon gepackt, unendlich aufgeregt, denn es sollte endlich nach Chiang Mai gehen, hoch in den Norden von Thailand. Ich hatte mich schon so lange auf diese Reise gefreut, die ich mit KT, meiner Klassenkameradin und ihren Eltern unternehmen würde. Ich wachte also auf, ziemlich verschlafen, da ich vor Aufregung schlecht geschlafen habe, dann habe ich mit meinem Gastpapa und Ohm gefrühstückt und anschließend haben wir uns auf den Weg zum Flughafen gemacht. Während der Fahrt reichte mir mein Gastpapa ein Buch nach hinten mit dem Titel 'The Teachings of Buddha' und sagte mir zum ersten Mal während unserer gemeinsamen Zeit, dass er stolz auf mich sei. Ein unglaublicher Gänsehautmoment für mich und ich bedankte mich tausendmal bei ihm. Mein Gastpapa und Ohm halfen mir nich beim Check In als wir dann ankamen, doch wir verabschiedeten uns relativ schnell und ich ging durch die Kontrollen. Bis zu meinem Flug hatte ich dann noch 3 Stunden Zeit, also stöberte ich ein bisschen durch die Läden und kaufte ein paar Postkarten und Notizbücher. Anschließend suchte ich mir einen Platz am Fenster und kaufte mir etwas zu essen, doch so viel bekam ich gar nicht mehr herunter, sodass ich nur ein paar Früchte und einen Milchshake kaufte. Natürlich bestellte ich aus reiner Gewohnheit auf Thai und alle Verkäufer schauten mich erst ein bisschen verwundert an und lächelten mich dann an.
Ich liebe Flughäfen. Diese ganze Atmosphäre von Aufbruch, Euphorie, irgendwohin ins Unbekannte oder nach Hause. Ich liebe es, woe die Menschen sich verhalten, wie aufgeregt und glücklich sie sind. Überall liegt es in der Luft. Ich liebe es, zu reisen und mir hat das unglaublich gefehlt. Auch schwelgte ich in Erinnerung, da dies der selbe Flughafen war, an dem ich zum ersten Mal Thailands Boden betrat. Das Gefühl, da nun zu sitzen, 5 1/2 Monate später, so anders als vorher, so viel reicher an Erfahrung, kann man überhaupt nicht beschreiben.
Mein Flug war sehr pünktlich. Ich hatte zum Glück einen Fensterplatz und neben mir saß ein Mann, der mich kurz anlächelte, als er sich neben mich setzte. Als ich da so im Flugzeug saß, Musik in den Ohren und das Flugzeug dann abhob, da fühlte ich mich mal wieder richtig frei, so ohne Sorgen, ohne alles. Ich liebe es, zu fliegen. Und ich hab das so vermisst.
Der Flug ging ziemlich schnell rum, doch es fiel mir schwer zu atmen, nachdem wir Sandwiches bekamen und der Mann neben mir genüsslich rülpste und die Luft sich mit dem Geruch von Bacon vermischte. Nunja. An einige Dinge wird man sich eben nie gewöhnen.
Als ich dann in Chiang Rai landete und aus dem Flugzeug stieg, musste ich erstmal ziemlich schmunzeln, denn das erste, was ich sah und hörte, war richtig altmodische Thaimusik und traditionellen Thaitänzerinnen. Es war so typisch Thai, dass ich es gar nicht fassen konnte, doch der Norden ist viel mehr von der Kultur geprägt als Bangkok und daher wunderte ich mich nicht. KT und ihre Mutter waren schon da, als ich hinauskam und nach kurzen Begrüßungen setzten wir uns in ihren Mietwagen und fuhren los. Und nein, ich hab mich nicht verschrieben - zuerst waren wir in Chiang Rai, eine Provinz, die neben Chiang Mai liegt, denn KT musste dort ein Universitätstest ablegen und auch dort gab es viel zusehen. Doch wie sollte es anders sein? Zuerst gingen wir essen. Und zwar mein Lieblingsgericht - Pad Thai. Leider war es nicht so gut wie in Bangkok, was KT mir schon vorher sagte, aber das war okay. Nach dem Essen fuhren wir weiter und mir wurde gesagt, dass, wenn man in Chiang Rai ist, an zwei Sehenswürdigkeiten nicht herumkommt: Ein Museum (dessen Namen ich vergessen habe) und einen Tempel (dessen Name ich auch nicht weiß). Die erste Station war das Museum. Es war eher ein Park als ein Museum, in dem man viele große Häuser sehen konnte und der Mann, der das alles errichtet hat, war so ein Tierliebhaber, dass er sie gehäutet oder enthornt hat und sich daraus Stühle und Betten und was weiß ich alles gemacht hat. Eigentlich war es wirklich cool, anzusehen. Zwar sehr speziell, aber definitiv etwas, was man nur einmal in seinem Leben sieht.
Danach fuhren wir zum Tempel. Als ich ihn sah, nahm es mir glatt den Atem weg. Der Tempel war unglaublich weiß, strahlend weiß, sodass man sich die Augen abschirmen musste, weil man von ihm geblendet wurde. Bis zum Tempel hin war eine längere Brücke und wenn man neben sich hinunterschaute, wurde die Hölle dargestellt, mit herausragenden Händen und Dämonen als Wächter. Ich habe schon viele Tempel gesehen, dafür hat meine Gastfamilie sehr gesorgt, aber so einen Tempel noch nie. Es war reiner Wahnsinn. Doch Tempel sind eben Tempel, und nachdem wir gebetet und Fotos gemacht haben, gab es auch nicht mehr viel zusehen. Doch neben dem Tempel gab es ein buddhistisches Bestattungshäusschen, das KT mir zeigte, doch ich fand das ziemlich gruselig. Auch dieses war strahlend weiß, doch da waren so Gesichter vor, als Statuen, die so böse Gesichtszüge hatten. Mir war das ziemlich suspekt und ich sagte, dass wir schon gehen könnten. Nachdem wir nochmal auf Toilette gegangen sind, die komplett vergoldet war (kein Scherz), kauften wir uns Kokoseis und machten uns auf den Weg nach Chiang Mai, was 3 Stunden entfernt lag. Eine lange Fahrt also. Doch wir hatten viel zu erzählen, denn KT's Papa ist sehr interessiert an Autos und vorallem dann natürlich an deutschen Automarken. So redeten wir eine lange Zeit über BMW, welches sein absolutes Traumauto ist und ich erzählte ihm, dass mein Papa auch begeistert von BMW sei. KT's Papa erzählte mir dann, dass es sein Traum sei, mit einem BMW über die deutsche Autobahn zu fahren, weil wir ja kein Speedlimit haben. Ich fand das ziemlich lustig und lud ihn nach Deutschland ein, was er mit einem Lächeln zur Kenntnis nahm. Langsam ging die Sonne unter und wir fuhren zwischen den riesigen Bergen durch. Der Sonnenuntergang war wundervoll, der Himmel war strahlend rot und violett. Dazu hörten wir alte Lieder, die total zu dieser Atmosphäre passten. Als dann 'Stand by me' von Ben E. King lief, sangen alle total ausgelassen mit und das war einer dieser unvergesslichen Momente, in denen sich einfach alles richtig anfühlte.
Auf einmal fragte KT mich, ob ich schonmal in einem Nachtzoo gewesen wäre, was ich verneinte und urplötzlich wurde die Richtung geändert. Also war unser nächster Halt eine Nachtsafarifahrt, wo wir erstmal was aßen und dann eine Show anschauten, wo verschiedene Tiere vorgeführt wurden und irgendwas gemacht haben, wie Tiger, Hyenen, Löwen und auch kleinere Tiere, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann. Dann gingen wir zu einer Safaribahn mit englischer Führung und dann ging es los. Der Kleinbus fuhr los, doch an den Busseiten war alles offen, also es war ein Bus ihne Türen und Fenster, nur mit Dach und Boden und Sitzen. Als wir dann losfuhren, sagte uns der Mann, dass wir alle Tiere, die ungefährlich waren, streicheln und füttern könnten, da sie freilaufend sind (außer halt Löwen und Tiger und sowas). Als erstes kamen ganz normal Rehe, doch es waren unendlich viele Tiere und wir fuhren bestimmt eine halbe Stunde. Es gab Strauße und Kängurus und Zebras und Giraffen und tausend verschiedene Arten von Rehen, auch Alpakas und Lamas. Ich konnte sogar eine Giraffe anfassen und ein Zebra biss mir in die Hand. Es war so schön nud unglaublich zurzeit, dass all diese Tiere so viel Platz dort hatten, denn dieser Park war riesig. Und wie gesagt, sie konnten sich ziemlich frei bewegen. Gehen 23 Uhr war die Tour zu Ende und wir fuhren zu unserem Hotel. Da wurde mir bewusst, dass KT's Familie sehr wohlhabend sein muss, denn dieses Hotel war traumhaft und KT und ich hatten sogar ein Zimmer für uns. Als wir ankamen, war es 0 Uhr und da sagte KT's Papa grinsend 'morgen stehen wir um 4 Uhr auf'. Ich hielt das erst für einen ziemlich schlechten Scherz. Einen sehr schlechten Scherz. War es leider nicht.
Nach drei Stunden Schlaf wurden wir also vom viel zu lautem Wecker geweckt. Wir schleppten uns nur mit viel Mühe aus dem Bett und setzten uns ins Auto. Im Auto versuchten wir zu schlafen, war aber leider nicht möglich, da wir auf einen Berg gefahren sind und es sehr huckelte und KT's Papas Fahrstil sowieso sehr speziell ist. Nundenn, völlig tot stiegen wir aus dem Auto. Wir waren hoch oben auf einem Berg und setzten uns in ein ein offenes Café, das im Prinzip nur auf einem Gestell stand und wieder nur überdacht war, man saß also draußen und konnte die Aussicht genießen. Und zum ersten Mal in meinem Leben in Thailand frohr ich mir den Arsch ab. Es waren 14 Grad und ziemlich windig da auf dem Berg und ich hatte nur eine Sweatjacke an, da ich Jacken bisher ja nicht brauchte im mummeligen Bangkok, wo die Leute 27 Grad schon kalt finden.
Aber die Aussicht war atemberaubend. Weiter unten waren überall Lichter und man konnte die Berge so schön sehen. Wir bestellten uns Frühstück und einen warmen Kakao und aßen es schweigend, jeder wollte diesen Moment für sich selbst. Das frühe Aufstehen hatte sich sowas von gelohnt. Nachdem wir aufgegessen hatten und wir das Gefühl hatten, es würden sich schon Eiszapfen an uns bilden, stiegen wir ins Auto und fuhren zur nächsten Station - eine Sommerrodelbahn und ein Kletterpark. Von der Sommerrodelbahn war ich ein bisschen enttäuscht, da ich mal eine wahnsinnig tolle in Österreich gefahren bin, und diese war nichts gegen die damals in Österreich, aber es war schon ziemlich witzig. Doch dann kams zum Klettern, oder eher nicht klettern - man wurde in diese Sicherheitsteile geschnallt, dann an ein Eisenseil gespannt und dann konnte man von Plattform zu Plattform springen, doch der Weg war unendlich lang, sodass man eine ziemlich lange Zeit in der Luft hing, unter einem Palmen, und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit da lang rauschte. Es ist ziemlich schwer, das zu beschreiben. Aber es war unglaublich. Es waren jeweils zwei Typen dabei, die uns sicherten und immer auffingen oder runterstießen. Und mit ihnen konnte man auch ziemlich viel herumalbern, denn sie waren ziemlich witzig. Ganz zum Schluss mussten wir auf einen Turmklettern und um hinunterzukommen, einfach springen. Der Turm war ziemlich hoch und als ich hinuntersah, wurden meine Knie butterweich. KT und ich jammerten uns gegenseitig voll, wie schrecklich das alles ist und wie viel Angst wir hätten, und da sicherte der eine Typ mich eifnach, sodass ich bereit zum Springen wäre und ich nur so 'nein nein stopp ich kann das nicht' und musste dabei immer wieder lachen, weil es einfsch so hoch war und so absurd, dass wir da jetzt einfach springen würden. Und er fragte mich, woher ich käme und während ich antwortete, schubste er mich einfach runter, sodass 'Deutschland' auf Thai total von meinem Schrei erstickt wurde. Als ich unten ankam und abgefedert wurde, blieb ich da erstmal eine gefühlte Ewigkeit sitzen und wollte nochmal hoch, um diesen Typen eigenhändig umzubringen. Noch 10 Minuten danach zitterte ich wie Irre und es dauerte auch ein bisschen, bis KT dann unten war. Danach waren eir völlig fertig mit den Nerven und stiegen ins Auto, um zur nächsten Station zu fahren.
Dies war ein botanischer Garten, der von der Königin errichtet wurde. KT und ich gingen allein und es war eigentlich echt schön. Wir konnten ein bisschen herumschlendern und in riesige Gewächshäuser gehen, wo dann teilweise eine kleine Wüste mit Kakteen war oder ein Urwald mit Wasserfall drin und eine riesige Anzahl and Blumen. Wir genossen die Ruhe ein wenig, denn wir waren unglaublich müde und mittlerweile fiel sogar gehen ein bisschen schwer. Wir aßen danach eine Kleinigkeit und dann sollte es zu einer Elefantenfarm gehen. KT und ich durften dann auf einen Elefanten reiten, was ziemlich cool war, aber ein bisschen Angst hatte ich schon, da wir in diesem Korb auf dem Elefanten saßen und es ziemlich gewackelt hat und es sich si anfühlte, als würde der Elefant jeden Moment stolpern. Außerdem tat er mir wegen meines Gewichts Leid. Aber nungut. KT und ich wurden also ordentlich durchgerüttelt. Als wir eine Runde gegangen waren und wieder abstiegen, hieß es, dass wir noch eine Elefantenshow schauen wollten, bei der es 1 1/2 Stunden dauerte, bis sie anfing. Zuerst setzten wir uns hin und warteten. Nach einer halben Stunde merkten wir, dass es keinen Sinn machte, denn wir waren einfach viel zu müde. Und so ging es zurück ins Hotel, wo wir erstmal 3 Stunden schliefen. Selbst danach war ich noch müde, doch wir fuhren in die Stadt, um einen riesigen Markt zu besuchen. Dort aßen wir erstmal Sushi, welchem ich mittlerweile total verfallen bin und ich konnte sogar endlich mit Stäbchen essen, worauf ich richtig stolz war. Mit ihren Eltern hatte ich wirklich viel Spaß. Wir unterhielten uns wieder über Hautfarben und ich zeigte ihnen ein Foto von meiner Familie, um zu zeigen, dass nicht alle so weiß sind, wie ich. Das fanden sie komisch. Auch, dass meine Schwester fast die gleiche Hautfarbe hatte wie KT, fanden sie noch komischer. Als ich dann erzählte, dass wir alle meine Schwester für ihre Bräune beneideten und ich nicht gesund aussehe, weil ich so weiß bin und wir es Zockerbräune nennen, das konnten sie dann nicht mehr glauben. Sie dachten, ich würde mit ihnen scherzen. Eben ein völlig anderes Schönheitsideal als wir.
Nach dem Marktbesuch war es schon wieder ziemlich spät und wir fuhren zum Hotel, wo KT und ich noch einige Filme schauten, doch auch bald gingen wir wieder schlafen, denn am nächsten Tag würden wir schon zurückfliegen. Bis um 9 schliefen wir und bedienten uns danach am Hotelbuffet, das wirklich sehr gut war. Es war so gut, mal wieder Cornflakes und Obstsalat zum Frühstück zu essen, anstatt Reis. Also bedienten wir uns reichlich. Danach packten wir unsere Sachen und mussten auschecken. Bevor wir zum Flughafen fuhren, besuchten wir noch einen Markt, um etwas für unsere Familien zu kaufen, so kaufte ich traditionelles Essen aus dem Norden und getrocknete Früchte für meine Gastfamilie. Am Flughafen pa kte mich wieder die Vorfreude auf den Flug, doch unser Flug hatte Verspätung und wir mussten ziemlich lange warten, bis es dann soweit war. Auch dieser Flug verging sehr schnell, da ich einschlief. Aber der Ausblick aus dem Flugzeug raubte mir immer wieder den Atem. Wie wunderschön die Welt doch ist und wie wenig wir sie zu schätzen wissen.
Wir erreichten Bangkok gegen 16:30 Uhr. Zuhause. Immernoch komisch manchmal, das zu sagen. KT's Familie fuhr mich dann auch noch nach Hause und somit war meine Reise beendet. Wir verabschiedeten uns alle sehr herzlich und sie sagten mir, dass sie sowas gerne mal wieder mit mir machen würden, wo ich auf jeden Fall zustimmte. Ich war froh, wieder Zuhause zu sein, denn ich war sehr müde, doch die Tage waren unendlich schön. Endlich hatte ich mal wieder die Chance, mehr von Thailand zusehen, andere Stellen, andere Orte, anderes Essen, andere Leute, anderes Leben. Das alles war Balsam für meine Seele und was hab ich mich wieder verliebt.
- Kim
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