Und da ist er wieder - der 20te. Der Tag, an dem ein Monat wieder vergangen ist. Aber der 20.11.2016 ist nicht nur wieder irgendein vergangener Monat, nein, der 20.11.2016 bedeutet, dass die Hälfte meines Austauschjahres schon vorüber ist.
Es ist ein erschreckendes und befreiendes Gefühl zugleich. Was habe ich nicht schon alles erlebt? Was ist nicht schon alles passiert? An was für Orten bin ich nicht schon gewesen? Wie viele Freunde habe ich nicht schon gefunden? Es ist und bleibt immer wieder ein atemberaubendes Gefühl, nach hinten zu schauen, doch das nach vorne schauen fällt mir zurzeit ein wenig schwer.
Was sind 5 Monate nicht langsam vergangen. Die Zeit zog sich wie ein Kaugummi hin..und nun die komplette Zeit noch einmal? Puhh. Und das Schlimmste kommt ja erst noch - Weihnachten. Was haben wir Austauschschüler nicht alle Angst vor Weihnachten. Es ist das Eine, Weihnachten in einem anderen Land ohne seine Familie zu feiern, aber auch nochmal was ganz anderes, Weihnachten in einem Land zu erleben, wo es gar kein Feiertag ist und somit auch überhaupt nicht richtig gefeiert wird. Gerade für uns Deutsche einfach unvorstellbar. Aber Weihnachten ist nicht das Einzige, was mich zurzeit etwas nachdenklich stimmen lässt.
Es sind die kompletten Umstände. Meine Familie ist hochbeschäftigt und das weiß ich ja schon von Anfang an. Mittlerweile machen wir überhaupt nichts mehr zusammen, da meine Gasteltern sowohl unter der Woche als auch am Wochenende arbeiten und meine Gastgeschwister eben ihr Ding machen, was ich ja auch total verstehen kann..aber es macht mich einsam. Am Wochenende bin ich meistens alleine Zuhause. Zu planen, irgendwohin zu gehen, ist dann meist auch ziemlich schwer, weil ich nicht möchte, dass sich meine Gasteltern mir anpassen müssen und es ist auch immer ziemlich schwer, zu fragen. So habe ich meinen komplett festen Alltag, meine Routine, aus der ich mich nicht befreien kann. Und das fällt mir schwer. Es fällt mir schwer, alleine zu sein. Und in solchen Momenten fehlen mir meine Familie und meine Freunde in Deutschland.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich sehr darum kämpfen muss, dass meine organisatorischen Dinge auch umgesetzt werden. Meistens mache ich solche Dinge gar nicht mehr mit meiner Gastfamilie, sondern mit meinen Freunden aus der Schule, da sie mir immer zur Seite stehen, bei allem. Ich denke, hätte ich meine Freunde nicht, wäre ich verloren. Sie versuchen immer, mir so viel zu bieten und mir bei allem zu helfen. Letztens bin ich mit Jimmy nach der Schule essen gegangen und wir haben uns in unseren Gesprächen verloren, denn immer, wenn ich mit Jimmy alleine bin, reden wir nucht über diese oberflächlichen Dinge, sondern über alles, was wir fühlen, was wir erleben, was uns Sorgen bereitet, was uns wütend macht. In der Thai Kultur gehört es sich nicht, über solche Dinge zu reden, aber Jimmy unterscheidet sich von allen anderen, da sie ein Jahr in Amerika verbracht hat und meine Art zu denken versteht. Sie half mir auch, nach ewig langer Zeit endlich mein Paket nach Deutschland abzuschicken und danach gingen wir noch auf einen Markt bummeln. KT aus meiner Klasse lud mich ein, mit ihr und ihrer Familie nach Chiang Mai zu fliegen, hoch in den Norden von Thailand. Chiang Mai ist unglaublich berühmt und jeder der Austauschschüler träumt davon, mal nach Chiang Mai zu fliegen, weil die Natur dort atemberaubend ist. Es dauerte lange, meine Familie zu fragen und auch das Buchen der Tickets stellte sich als eine längere Aufgabe heraus, die letztendlich KT übernahm. Nun geht es also in zwei Wochen los und ich bin so unendlich dankbar und freue mich schon wahnsinnig.
Wenn ich bei meinen Freunden bin, bin ich glücklich. Wir lachen so viel zusammen. Wenns sein muss, weinen wir auch zusammen. Wir kämpfen zusammen, aber am allermeisten lachen wir wirklich nur und trotz der harten Schule und drr langen Tage, weiß ich, dass ich ohne sie verloren wäre.
Ich glaube, ich werde niemals richtig beschreiben können, was in mir vorgeht. Manchmal, wenn ich melancholisch werde, muss ich mich daran erinnern, warum ich angefangen habe. Es kommen noch do viele Dinge auf mich zu und ich habe Angst, dass ich in der Zeit stecken bleibe. Es gibt Tage, da finde ich alles einfach nur zum Kotzen und ich will mich einfach nur in mein Bett verkriechen und mit niemanden reden. Und dann gibt es die Tage, wo ich aus dem Fenster schaue und mich immer wieder aufs Neue in dieses Land verliebe. 5 Monate Thailand haben mich verändert. Sie haben mich so viel stärker gemacht und in vielen Dingen bin ich über mich hinausgewachsen. Ich bin stolz auf das, was ich busher erreicht habe. Und ich bin stolz darauf, dass ich an Tagen, wo alles zum Kotzen ist, immer wieder den Mut und die Motivation finde, aufzustehen und weiterzumachen. Thailand ist nicht nur meine Herausforderung, Thailand ist auch meine Seele und ich bin ihr komplett verfallen.
- Kim
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen